Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 9-10 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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131 Schon im Jahre 1846 gingen die ersten Pflegerinnen aus dem Hause in badische Gemeinden; vorher hatte man solche im Großherzogthum fast gar nicht gekannt. Ersetzen sollte die Kleinkinderschule nach dem Willen der Frau Jolberg das Elternhaus nicht, aber bei dem Verfall vieler Häuser und bei den schwierigen Verhältnissen, die so viele Kinder gerade in den Zeiten, wo sie auf Pflege recht eigentlich angewiesen sind, sich selbst überlassen, helfend und ergänzend eintreten. Mehr famlliär als schulmäßig sollten diese Pflegen sein, eigentliches Lernen in ihnen nicht stattfinden. Mehr erstrebte Frau Jolberg nicht, aber das auch mit ganzem Emst. Anfangs verzögerte sich übrigens die Staatsgenehmigung für die Anstalt, die als ein Werkzeug des Pietismus und darum als gefährlich verdächtigt wurde; aber nach etwa einem halben Jahre traf dennoch die Genehmigung ein. Frau Jolberg stand nunmehr dem Ganzen als Hausmutter vor und wurde auch von Allen „Mutter" genannt; beide Töchter standen ihr als Gehilfinnen zur Seite und hießen, so wie i>ie. Mädchen ihrer Anstalt, „Schwestern." Die Tagesordnung war folgende: Am Morgen gemeinschaftliche Andacht. Dann theilten sich die Schwestern, darin abwechselnd, in die verschiedenen Schulabtheilungen und häuslichen Arbeiten. Der weitere Unterricht bestand in Singstunden, in Uebungen im Erzählen von biblischen und kleinen kindlichen Geschichten, in Anschauungsunterricht, wobei die Mädchen angeleitet wurden, die Sinne, das Verftändniß und die Sprache der Kleinen zu entwickeln und zu fördern, und in allerlei kindlichen Spielen. Zur Ergänzung des früheren, oft noch lückenhaften Unterrichtes der Schwestern wurden Uebungen im Lesen, Schreiben, in Naturgeschichte u. s. w. mit denselben vorgenommen. Die Kinder erhielten keinen Schreib- und Leseunterricht, sondern dieser blieb den Volksschulen Vorbehalten; Erziehung oder „Kinderpflege" sollte, wie gesagt, die eigentliche Aufgabe sein. In der Theuerungszeit von 1846 wurde den ärmeren Kindern, etwa dreißigen, zur Erleichterung der Eltern auch das Mittagbrot gereicht. Von Anfang an feierte die Anstalt ihr Jahresfest. Die ganze 9*