Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 9-10 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Lieder, Gesang nach Noten gehörten mit zu der Beschäftigung der Kinder. Treu stand der Wittwe der Ortsgeistliche Fink zur Seite; nach zwei Jahren aber wurde er versetzt. Andere Stützen fand sie an allerlei Freunden, welche ihr Unternehmen interesstrte; es gehörten zu denselben z. B. die Missionare Hausmeister und Goldberg, Missionar Graf Zaremba aus Basel und Pastor Härter, der Gründer des Diakoniffenhauses in Straßburg. Der neue Ortsgeistliche dagegen stellte sich nicht freundlich zu der Sache der Frau Jolberg. Eine Zeitlang schien es, als sollte die Strickschule gesprengt werden; aber bald danach mehrte sich der Zudrang so sehr, daß drei Abtheilungen eingerichtet werden mußten. Ein eigenes Haus, Vas zugleich ein Lehrhaus für Kinderpflegerinnen würde, erschien immer mehr als Nothwendigkeit. Ein Auftus in dem Volksblatt des Pastor Mann „Reich Gottes" brachte sogleich mehrere hundert Gulden, darunter eine größere Gabe der Markgräfin Wilhelm von Baden ein, und neun Jungftauen meldeten sich zum Eintritt. Ein geeignetes Haus im Dorfe wurde aufgefunden, die Kauffumme, soweit sie nicht durch Liebesgaben gedeckt war, zu nur 3 pCt. von einem Landmanne vorgestreckt und das Mutterhaus alsbald eingerichtet, 1844. 126 Kinder erhielten alsbald in demselben den mannigfaltigsten Unterricht. Der neue Pfarrer, Mann, wurde die treuste Stütze der Frau Jolberg. Die ganze Umgebung erwies der Anstalt ihre Theilnahme, die Landleute brachten ihr vielfach Naturalien; Liebesgaben in Geld strömten von allen Seiten herbei. Je mehr die Zahl der Kinderpflegerinnen, welche in dem Hause ihre Unterweisung suchten, wuchs, desto größer wurden die finanziellen Ansprüche; aber der Segen Gottes brachte ihnen stets das tägliche Brot, denn er erweckte die Liebe hin und her, so daß kein Mangel eintreten durfte. Ein Müllermeister fuhr lange Jahre hindurch mit seinem großen Müllerwagen nach der Ernte in die verschiedenen Dörfer, wo man nach seiner vorherigen Anmeldung schon auf ihn wartete. Die Anstalt nannte ihn ihren lieben Brotvater. Pastor Mann und Frau Jolberg theilten sich in den Unterricht der Kleinkinderlehrerinnen.