Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 7-8 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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134 gekommen ist. Hier steht: die Ruthe wird von Juda nicht abgethan werden, noch ein Gesetzgeber zwischen seinen Füßen, bis der. Schiloh kommen wird. Die Ruthe d. i. das Scepter und der Gesetzgeber find aber längst abgethan, der Messias also auch schon gekommen." Der Mann schwieg. Ein Anderer aber ergriff das Wort: „Das Scepter und den Gesetzgeber haben die Juden noch, und je länger, desto mehr werden sie sich der Herrschaft über die Welt bemächtigen. Wissen Sie es denn nicht, daß wir über die Christen herrschen und daß wir den Christen Gesetze geben und nicht umgekehrt?" Alle klatschten ihm Beifall. Die Weissagung spricht von einer göttlichheiligen Herrschaft; aber ist es ein Wunder, daß die Juden an diese nicht denken, wenn die Christen durch eigene Schuld unter die materielle Herrschaft der Juden gerathen? In der Heimath fand ich bald den fanatischsten Orthodoxismus, bald den ausgesprochensten Unglauben. Ein sehr gebildeter Jude, der das Evangelium gut kannte, äußerte gegen mich: „Ich für meine Person brauche keine Religion; denn alle Religionen sind nichts Anderes als menschliche Vorstellungen, menschliche Phantasien; diese Vorstellungen und Phantasten habe ich nun überwunden. Wem aber Religion Bedürfniß ist, und das Bedürfniß kann nur ein schwacher Kopf haben, der bekenne sich zum Christenthum, weil im Christenthum wenigstens die Idee des A. Test, zur Vollendung gebracht ist. Daß Du selbst Christ geworden, nehme ich Dir persönlich nicht übel, aber als edlen Christen bitte ich Dich um unserer Familie willen möglichst bald abzureisen." Auf meiner Rückreise traf ich in der Eisenbahn mit 5 Kaufleuten von der jüdischen Sekte der Chasidim zusammen. Der Eine unter ihnen hielt ein hebräisches A. Testament in seiner Hand. Ich ließ mir dasselbe von ihm geben, blätterte es vom ersten bis zum letzten Blatte durch, schlug auch das nicht bedruckte Blatt um und that, als ob ich auf dem leeren Blatt suchte. Verwundert sah der junge Mann das an und frug nach dem Grunde meines Beginnens. Ich antwortete ihm: „Diese Bibel ist nicht vollständig, es fehlen noch viele Bücher und zwar die wichtigsten." Der junge Mann