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Dibre Emeth · 1872-01-01 · 7-8 (1872) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
28 (1872)
Issue
7-8 (1872)
Date
1872-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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123 wunderten sich über meine genauen Kenntnisse der jüdischen Sitten und Gebräuche, über welche sie mich am Liebsten eraminirten. Einen, dem dies Examiniren viel Spaß machte, trieb ich mit der Frage, was das Sühnopfer am Versöhntage, über welches ich in den Dibre Emeth gelesen hatte, zu bedeuten habe, in die Enge. Seine Antworten befriedigten ihn selbst nicht. Die Mittagsstunde rief mich indeß nach Hause. Am Dienstag ging ich weiter nach N. Schon auf dem Bahnhofe knüpfte ich mit einem Juden ein Gespräch an, von den? ich soeben in Berlin folgenden hebräisch geschriebenen Brief erhalte: „Herr Gottesgelehrter. Der Weg, den wir zusammen von N. nach N. gemacht haben, ist in meinen Augen sehr theuer. Ich hätte gewünscht, wir wären noch länger zusammengeblieben, allein unsere Wege ließen es nicht zu. Für das Buch, welches Sie mir geschenkt haben (ein neutestamentlicher Commentar von Biesenthal), sage ich Ihnen nochmals meinen herzlichsten Dank und bitte Sie zugleich, mir alle Schriften des Neuen Bundes mit demselben Commentar durch die Post schicken zu wollen. In der Erwartung, daß Sie mir meine Bitte gewähren werden, verbleibe ich Ihr Freund N. N." (Die Bitte ist von Breslau aus erfüllt.) Auf der weiteren Reise knüpfte ich ein anderes Gespräch mit einem anderen Juden an. Er frug mich, woher und was ich sei? Ich antwortete: „Ich bin aus Berlin und habe daselbst studirt, wie man in das Himmelreich kommen kann." „Wie denn?" forschte er. „Wenn man an den Messias Jesus Christus glaubt." „Der Messias ist aber noch nicht gekommen!" Ich frug ihn, ob er sich der Stelle 1 Mose 49, 10 erinnere. „Ja", antwortete er, „da segnet Jacob seinen Sohn Juda." „Was verstehen Sie unter dem Wort Schiloh?" „Es ist verschieden gedeutet, bald auf die Stadt Schiloh, bald auf den Messias bezogen worden." „Wie haben es die Targumim gedeutet?" „Vom Messias." „Wie deuten Sie es?" „Nicht anders als unsere Weisen." Unter großer Aufmerksamkeit der zahlreichen Juden unseres Coupes fügte ich nun hinzu: „So will ich nun Ihnen aber auch beweisen, daß der Messias bereits

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