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Dibre Emeth · 1872-01-01 · 7-8 (1872) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
28 (1872)
Issue
7-8 (1872)
Date
1872-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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122 wie seine Vorfahren. Wir sind alle des Glaubens müde. Ich selbst bin kein Orthodoxer, viel weniger ein Reformer." Daran knüpfte er seine Bemerkungen über das Christenthum; er war demselben nicht abhold, bewies auch einige neu-test. Kenntnisse, wie er mir denn ein hebräisches N. T. zeigte — aber er ist reich, und das genügt ihm. Am Ostertage fand ich, aus der Kirche heimgekehrt, fünf Juden in meinem Zimmer, Abgesandte jenes alten Lehrers; bis auf Einen waren sie selbst auch Lehrer des Hebräischen. Sie erklärten mir ihren Wunsch, dasselbe Thema mit mir zu besprechen, das gestern zwischen mir und dem Alten verhandelt und zwischen ihnen hernach bis 1 Uhr Nachts besprochen worden sei. Sie wollten nur hören, verhielten sich daher ganz ruhig, schrieben sich die von mir citirten Stellen auf, und in 2 Stunden war ich so weit gekommen, daß ich zur Erfüllung der Verheißungen, zum Neuen Bunde schreiten konnte. Nach einer kurzen Einleitung ließ ich sie einige Capitel aus dem N. T. lesen, und erklärte ihnen die Verschiedenheit der 4 Evangelien mit dem Gleichniß einer von 4 Malern aufgenommenen Landschaft. An das Gelesene knüpften sich noch manche Bemerkungen. Unter den Fünfen nahm es der Eine ernster, die Anderen waren nur Neugierige; mit Schriften versehen verließen sie mich. Am 2. Feiertag trat ich in eine jüdische Buchhandlung ein, ich wünschte einen bedeutenden jüdischen Commentator des A. T. zu sehn. Der Buchhändler pries mir verschiedene an. Ich erwiderte ihm, daß ich die Leistungen der Einzelnen ziemlich kenne. Dieser habe als Homilet Bedeutendes geleistet, Jener als Grammatiker, besonders in der Zurückführung der Wörter auf ihre Wurzel; doch habe der Letztere eine Wurzel ganz übersehn. „Wie meinen Sie das?" „Ich meine die Wurzel Jesse, von welcher Jesaia spricht und die doch zu einem mächtigen Baum geworden ist." Als er mich noch nicht verstand, bat ich um eine Bibel, schlug ihm Jesaia 11 auf und erklärte: „Diese Wurzel meine ich, welche ist der Messias Jesus Christus." Hieran knüpfte sich ein dreistündiges Gespräch über Judenthum und Christenthum. Der Mann war mit dem N. T. so ziemlich, vertraut. Juden kamen und gingen, hörten und ver-

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