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Dibre Emeth · 1872-01-01 · 7-8 (1872) · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
28 (1872)
Issue
7-8 (1872)
Date
1872-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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121 denen er nicht zugegen sein konnte. „Sie glauben also das nicht, was dort gesagt ist und haben doch so eben behauptet, daß Sie Alles glauben, was im A. T. vorkommt!" sagte ich etwas ärgerlich, und veranlaßte ihn dadurch, meine Anstchten über den Punkt zu erfragen. Ich gab ihm Antwort, aber in der Form einer Katechisation, die 3/4 Stunden dauerte. Der Erfolg war, daß wir einen gewissen gemeinsamen Grund gewannen, auf den ich weiter bauen konnte. Ich nahm die Stellen von der Sintfluth, Noah u. s. w. durch, schritt dann zu Abrahams Berufung und der ihm gegebenen Verheißung; ging dann, als er es ablehnte, mir seine Erklärung über dieselbe zu geben, schrittweise weiter, von Verheißung zu Verheißung, bis mir Jesaia 53 Veranlassung gab über die Opferinstitution zu sprechen. Die ganze Zeit über saß der Mann fast regungslos da. Der Fortschritt in den Weissagungen, den ich deutlich hervorhob, setzte ihn in Erstaunen; doch hier schloß ich mit der Frage, ob er eine Andeutung von einem Erlöser gefunden habe? Er schwieg — und dies Schweigen war genug Zeugniß. Zum Schluß erklärte ich ihm, daß Renanö Buch die falscheste Quelle des Christenthums sei, und stellte ihm dann noch einmal im Kurzen die Bedeutung des Messias und seines Erlösungswerkes dar. Auf sein Verlangen schrieb ich ihm die behandelten Stellen auf und rieth ihm, die rabbinischen Commentare zu Hilfe zu nehmen, da auch von ihnen die messianischen Weissagungen als solche anerkannt worden sind. Ich hinterließ ihm etliche Schriften, die er mit Dank annahm; beim Abschiede erklärte er Mir, es sei für ihn zu spät, zum Christenthum überzutreten; ich antwortete ihm: „Die Wahrheit zu bekennen gibt es kein Zufrüh und Zuspät." Darauf traf ich mit einem jüdischen Geldwechsler zusammen. Er äußerte sich: „Das orthodoxe Judenthum hat sich überlebt, es ist in der Auflösung begriffen, und binnen 20—30 Jahren wird kein Jude mehr sein, der mit Recht den Namen Jude führen wird." Aus meine Frage, was denn aber schließlich aus dem Judenthum werden solle, antwortete er: „Das weiß ich nicht; aber in unserer Stadt gibt es unter ihren 30,000 Juden keinen einzigen, der, auch wenn es anders erscheinen will, seinem Glauben noch so treu ist,

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