Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 7-8 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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120 dar. Das, sagte er, habe er sich gedacht, ob ich aber auf dem rechten Wege sei, bezweifle er; denn Jesus selbst wollte das nicht sein, wozu ihn die Christen machten. Das Christenthum sei überhaupt ganz entstellt, und er könne es nur, um es mit einer anderen Religion zu vergleichen, als eine andere Art Talmudismus ansehn. Zur Erklärung dieser seiner Ansichten gab er mir an, daß er Renans Leben Jesu gelesen habe. Vor 13 oder. 14 Jahren habe er einmal ein Leben Jesu von Lucas gelesen; sei jedoch, von seinem Prinzipal beobachtet, in dieser Lectüre nicht weit gekommen; auch sei ihm die dortige Erzählung als Dichtung erschienen. Renan dagegen habe ihn befriedigt und ihm manchen Zweifel genommen. Denn früher habe er dem Christenthum alles Göttliche absprechen wollen, sei aber durch Renan davon zurückgekommen; er lasse es sich nun als ein von Gottes Vorsehung herbeigeführtes menschliches Werk gefallen. Wo seien aber noch die wahren Christen nach Renan'scher Art? Ich antwortete ihm mit einer Gegenfrage: „Glauben Sie an einen Messias?" „Nein, derselbe ist eine talmudische Dichtung und nirgends im Tenach (A. Test.) zu finden." „Sie sind also Lehrer und beschäftigen sich mit dem A. T., glauben an dessen Göttlichkeit, und sind dennoch auf keine Stelle gestoßen, die wenigstens andeutungsweise von einem Meschiah handelte?" „Nein," antwortete er. „Welche Kommentare benutzen Sie zu Ihrem Studium?" Gar keine, denn ich will mich den Meinungen Anderer nicht blindlings hingeben." „Sie machen sich also Ihren eigenen Kommentar?" „Nein, wozu denn Kommentare? ich nehme die Sachen und Erzählungen, wie sie dastehn." „Glauben Sie dann aber an die Sachen und Erzählungen?" „Ja fteilich, glaube ich." „Nun gut, so wollen wir die Sachen und Erzählungen kurz durchgehn und sehn, ob sich da nicht eine Andeutung von einem Erlöser findet." Ich nahm meine Bibel zur Hand, las die Stelle vom Sündenfall und der ersten Verheißung, ließ ihn dieselbe übersetzen, und bat um ihre Erklärung. Er meinte, das Alles sei nicht wörtlich zu verstehn, denn eine Schlange könne nicht reden, und Gott habe nicht in der Weise dieSchöpfung vollbracht; doch habe er niejenemSchöpfungsberichtseine Aufmerksamkeit zugewandt, da Moses in demselben von Dingen rede, bei