Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 7-8 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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117 zog er sein Portefeuille aus der Tasche und auf dasselbe hinweisend sagte er: „Sehen Sie mein Herr, das ist mein Messias; solche Meffiase müßten Sie zu uns bringen, damit würden Sie bessere Geschäfte machen." Ich entgegnete: „Ich gestehe Ihnen zu, daß Sie einen guten Messias haben; wir wollen aber abwarten, ob dieser Ihr Messias auf Ihrem Todtenbette, das doch kommen muß, Trost für Sie haben wird." Er warf mir einen finsteren Blick zu und entfernte sich. Ich aber nahm mein Gespräch wieder auf, erzählte die Geschichte des Heilandes, kam bis zum Kreuzigungstage und wies auf den nächsten Tag (Charfteitag) hin. Man hörte mir ruhig zu, und nach einer Stunde trennten wir uns. Ich traf auf der Straße einen jüdischen Kartenspieler. Dem hielt ich vor, daß er ein schlechter Spieler sei, da er den Messias verspielt habe; er besuchte mich dann mit vier anderen Juden auf meinem Zimmer. Hier zeigte ich ihm meine Bücher und forderte für jedes,2,Hilden. „Ach, mein Herr, das ist zu theuer." „Ja, es sind aber auch gute Bücher; schlagen Sie eines derselben auf und lesen Sie darin, so werden Sie es selbst sehn." Der Eine schlug den Hebräer Brief mit hebräischem Commentar auf. Ich unterbrach ihn, nachdem er Einiges gelesen, und erklärte den Anwesenden, ihnen eins der Bücher unter der Bedingung, daß sie es an den Sabbathen gemeinschaftlich durchlesen, schenken zu wollen. Sie gaben das Versprechen, und so verließen sie mich mit dem Buche. Hernach begegnete ich auf der Straße einem jüdischen Lehrer, den ich vor acht Jahren kennen gelernt. Ich mußte ihn in seinem Hause besuchen. Auf seine Frage über mein seitheriges Ergehen erzählte ich ihm Alles; er nahm an meinen Mittheilungen keinen Anstoß. Als ich ihn nun frug, wie es mit ihm in religiöser Beziehung stehe, antwortete er kurz und bündig: „Das ganze Alte Testament ist nichts anderes, als eine Sammlung von Fabeln und Märchen, die aber um der Sprache willen es Werth sind, daß man sie studirt. Der Talmud und das orthodoxe, verkrüppelte Judenthum sind nicht werth, daß man sie beachte. Was das Neue Testament und den Stifter des sogenannten Neuen Bundes anbetrifft, so ist das Alles vernünftig und gut und darum göttlich, aber nicht in dem Sinne