Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 7-8 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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116 sich einer aus dem Kreise mit ungeduldiger Bewegung zu mir und sagte: „Sagen Sie uns doch deutlich, was Sie damit meinen." Ich wiederholte obige Aeußerung. Der Frager lief fort, die Andern wurden um so neugieriger. Der Zählende frug: „Was meinen Sie denn mit dem Kern?" „O, Sie wollen ein Jude sein, und kennen nicht einmal den Kern des Passahfestes? wenn Sie das nicht wissen, so werde ich, der Christ, es Ihnen sagen. Der Kern des Passahs ist das Paffahlamm, durch dessen Blut Ihre Väter in Aegypten von dem Würgengel verschont wurden und Vergebung der Sünden empfingen. Haben Sie diesen Kern unter den Weizenkörnern gesunden?" Daran knüpfte sich ein Inständiges Gespräch mit einem fortwährend wechselnden jüdischen Kreise. Besonders aufmerksam hörte ein junger Mann zu; am Abende besuchte mich derselbe auf meinem Zimmer. Wir hatten daselbst noch ein längeres Gespräch, nach dessen Beendigung ich ihm auf sein Verlangen die vier Evangelien in hebräischer Sprache gab. Am anderen Tage stand ich vor einem Bilderladen; ich betrachtete ein Heilandsbild mit hebräischer Aufschrift. Ein Jude kam gerade vorüber; ich bat ihn, mir die hebräische Schrift lesen zu helfen. Die Schrift lautete: Jeschua hanozri melech hajehudim (Jesus von Nazareth, König der Juden). Der Jude war über diese Inschrift verwundert. Er habe nie von einem jüdischen Könige Jeschua gehört, sondern er wisse vielmehr, daß dieses Bild einen goischen Gott Joseph darstellen solle. Damit wollte er von mir gehn; seine Zeit sei beschränkt und er müsse fijr den kommenden Sabbath sorgen. Ich hielt ihn aber fest und suchte sein Interesse durch die Behauptung zu wecken, daß dieser Je8dma der Messias sei, auf den alle Juden hoffen. Jndeß kamen noch andere Juden herbei, die auf unsere Unterhaltung merkten. Unter denselben ein seiner Herr in modischer Tracht und ohne Bart (ein Greuel für den alten Juden.) Kaum hatte er gehört, daß ich vom Messias spräche, so richtete er die Frage an mich, ob ich ein englischer Missionar sei. Ich antwortete: „Rein, ich bin ein Christ aus Berlin." Dennoch fuhr er fort: „Vor einigen Jahren habe ich mit einem englischen Missionar gesprochen, der ebenfalls seine dummen Ansichten vom Messias auskramte." Darauf