Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 7-8 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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114 haben und nun aus Rache von mir verrathen zu werden; deshalb reichte er mir jetzt seine Hand und wiederholte seine Frage in gelassenem Tone. Ich antwortete, ihm: „Nun, mein lieber Freund, will ich mit Ihnen freundlich reden. Meine Ansicht von den Chachamim ist diese, daß sie zum Theil es nicht wußten, zum Theil es nicht wissen wollten, daß der Messias gekommen sei." Sein Gesicht wurde feuerroth und in großer Bewegung antwortete er: „Wie heißt, die Chachamim wußten nicht? Sie haben doch durch den heiligen Geist gesprochen und geschrieben." „Nein, das glaube ich nicht." Glauben Sie nicht, das Gott durch die Nebiim (Propheten) zu unseren Vätern gesprochen hat?" „Ja, mein lieber Freund, das glaube ich; freilich sind die Lsrirn vearbach (die 24 Bücher des A. T.) durch den heiligen Geist geschrieben". „Wenn Sie das glauben, warum halten Sie nicht Thorath Moscheh (die Lehre Mosiö)?" „Freilich halte ich Thorath Moscheh"; hier schlug ich 5. Mose 18, 18, 19 auf und las es ihm vor. „Nun, lieber Freund, wenn ich diesem Propheten gehorche, welchen Gott durch Moscheh unfern Vätern verheißen hat, halte ich dann nicht Th. Moscheh? ich denke, Sie halten nicht, was Moscheh gesagt hat, da Sie nicht an den Propheten glauben, den Gott durch ihn verheißen hat. Wenn Sie jedoch an diesen Propheten nicht glauben wollen, warum opfern Sie nicht? Dieses Gebot hat doch Moscheh auf Gottes Gebot zu vielen Malen gegeben." Daran knüpfte sich ein Gespräch über die Opfer und ihre Bedeutung, über die wir ziemlich übereinstimmten. Hierauf aber forderte er mich auf, die Geschichte dieses Messias zu erzählen; ich that es, aber wie sonderbar kam ihm diese Geschichte vor! Hernach frug er, wo die eigentlichen Meschichiim wohnten, da man doch diejenigen, welche man in seiner Heimath als Goim bezeichne, nicht als solche ansehen könne. Ich machte ihm nun den Unterschied zwischen Katholicismus und Protestantismus klar. Er erstaunte um so mehr über meine Auseinandersetzungen, als ich zugleich Parallelen zwischen dem Katholicismus und Talmudismus einerseits, dem Protestantismus und dem Alten Testamente andererseits zog. Meine Erklärungen nahm er ruhig an. Da hielt der Zug, wir nahmen Abschied; auf sein Verlangen ließ ich den Hebräer