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Dibre Emeth · 1872-01-01 · 7-8 (1872) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
28 (1872)
Issue
7-8 (1872)
Date
1872-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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112 sondere konnte meine That nicht genug bewundern (hinzugefügt sei, daß der Erzähler selbst blutarm ist); denn wie kam ein Goi, der doch nichts von Gott weiß, dazu, einem Juden Barmherzigkeit zu erweisen? Mit diesem Räthsel beschäftigte er sich während der nun folgenden gemeinsamen Reise. Da frug ich ihn: „Können Sie auch Hebräisch?" Er schwieg, denn das Wort „Hebräisch" kannte er nicht. „Ich meine laschon hakodesch (die heilige Sprache)." Hastig und voll Erstaunens über das von mir gebrauchte hebräische Wort, antwortet er: „Ja, ja, Herr." „Das ist gut, daß Sie Ia8chon hakodesch können; ich habe in früheren Jahren diese Sprache mit Vorliebe gelernt; nun aber ist's schon eine Zeit her, und ich habe Manches wieder vergessen; doch habe ich ein hebräisches Buch in meinem Koffer, das will ich herausholen, und Sie können mir in demselben lesen helfen." Mit diesen Worten holte ich das hebräische Alte Testament hervor und sing an die Schöpfungsgeschichte zu lesen; ich that, als ob es mir etwas Schwierigkeiten machte, und mein Russe gab sich die größte Mühe, mir Alles deutlich und verständlich zu machen. Nach drei Zeilen schlug ich das Blatt um, las vom Sündenfall und der Verheißung und ließ mir wieder die Erklärungen des Russen geben. Doch bald blätterte ich weiter, ich las Stücke aus der Geschichte Abrahams und die Verheißung Cap. 12. Der Russe hatte Geduld, erklärte weiter und war mit meinen schnellen Fortschritten im Lesen sehr zufrieden. Da ging ich weiter, schlug den Segen über Juda auf, dann 5. Buch Mosis 18, 18; 2 Samuelis 7,12 ff. Jesaia 53, Jeremia 31, 31 ff. Hier blieb ich stehn und machte eine Pause. Da hörte ich, wie der Russe dem anderen Juden zulispelte: „Das muß doch ein Jude sein, ich habe nie gehört, daß ein Goi jüdisch gelernt habe." ,,O nein", erwiderte der Andere, „das ist ein Galach (Schimpfwort für christliche Geistliche)." Darnach aber nahm ich das Gespräch wieder auf. Ich frug, ob die Zeit schon gekommen sei, von welcher Jeremias (31, 31) spricht, daß Gott mit Israel und Juda einen neuen Bund schließen werde. „Nein, lieber Herr", sagte er, „die Zeit ist noch nicht gekommen; wüßte ich, daß Sie es verstünden, so würde ich es Ihnen auch erklären." „O ja, ich werde Sie schon verstehen, erklären Sie nur." „Dieser

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