Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 7-8 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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111 habe aber kein Geld." „Gar keins?" „Nein." „Wie wollen Sie denn ohne Geld fahren?" „Ich habe Geld, aber es taugt nicht." „Zeigen Sie mir doch Ihr Geld." Er führte mich zur Seite und zeigte mir mit zitternder Hand einen Zehn-Rubelschein. „Wenn Sie das haben, können Sie schon sehr gut nach K. kommen; es sind hier Wechsler genug, und diese werden Ihnen den Zehn-Rubelschein Umtauschen." „Nein, nein, ich will nicht." „Warum denn nicht?" Die Frage erregte in ihm einen neuen Kampf. Endlich faßte er Muth und frug: „Was sind Ihr (Sie)?" „Ein Christ." Meine Antwort war ihm offenbar unverständlich; ich stug daher: „Haben Sie mich nicht verstanden?" „Nein." „Nun so bin ich ein Goi." „O, das weiß ich, ich meine ein Socher (Kaufmann) oder was?" „Ja, ja, ich verstehe Sie, ich bin kein Socher, ich bin ein Lehrer." Damit war ihm eine Last vom Herzen genommen; er wußte nun, daß ich kein geheimer Polizist sei. Jetzt aber schloß er mir sein ganzes Herz auf, und erzählte mir, wie er vor acht Tagen affentirt worden sei und sich nun auf der Flucht befinde. Die Kaffe wurde bald darauf eröffnet. Noch immer wollte der junge Mann seinen Zehn-Rubelschein nicht auswechseln; er hatte Angst, mit dieser verdächtigen Münze hervorzutreten. Endlich vertraute er sie mir an; natürlich durfte das Niemand sehn; ich tauschte die Banknote in österreichisches Geld um und kaufte ihm ein Billet bis K., wo ihn ein Freund erwarten sollte. Schon eine Weile vorher hatte sich ein anderer Jude zu uns gesellt; an unserer Unterredung über die Wichtigkeit des Studirens schien er kein Interesse zu haben. Auf meine Frage, wohin er wolle, erwiederte er: „Nach N., aber es fehlen mir noch 37 Kreuzer, um ein Billet lösen zu können." „Wenn nicht mehr, so geben Sie mir das Geld, und ich will Ihnen schon ein Billet schaffen." Mit einer Hand voll Kupfergeld fing ich nun an zu collectiren. Ich sprach den ersten Juden um ein Almosen an und erhielt 20 Kr.; ich ging zu einem zweiten, der schenkte mir gleichfalls 20 Kr.; darauf löste ich ein Billet und brachte es dem armen Judendie Glocke läutete, und wir stiegen in ein Coups dritter Klaffe ein. Ich hatte die Zuneigung dieser Beiden erworben; der Russe insbe-