Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 5-6 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2554541-2554797-2554801--05771-2561738- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
85 lichkeit erfüllen möge, was gewiß nach Inhalt und Ausführung geeignet war, die Herzen Aller zur Andacht zu stimmen. Nach dem Gesang wurde dann von Herrn Misstonar Klein aus Jerusalem die Liturgie der englisch-bischöflichen Kirche gelesen mit Ausnahme der zwei Vorlesungen aus 1 Kön. 8 und Luk. 4, welche von den zwei eingebornen Kandidaten gelesen wurden. Die Predigt hielt Missionar Zeller selbst, die mit Kraft und Nachdruck vorgetragen und mit großer Aufmerksamkeit und Stille angehört wurde. Sein Tert war die Inschrift über dem Aktar, also Luk. 4, 18.19. Der Redner wies zuerst darauf hin, daß Gott den Menschen nach seinem Bilde erschaffen, und ihm seinen Geist gegeben habe, damit er Gemeinschaft mit ihm haben und in dieser Gemeinschaft glücklich und selig sein möchte. Da aber der Mensch durch Sünde und Ungehorsam von Gott abgefallen und ihm entfremdet worden ist, so sei es nöthig, die rechten Mittel und Wege kennen zu lernen, um wieder zu Gott zurückgeführt werden zu können und dazu habe er uns sein Wort gegeben, um da den ganzen Heilsplan Gottes mit dem Sünder kennen zu lernen. Zu diesem Zweck sei auch diese Kirche von den theuren Freunden und Brüdern im Abendlande erbaut, damit Gottes Wort lauter und rein darin gepredigt, den Armen das Evangelium verkündigt und so das Mittel sein möchte, daß Nazareth eine Stadt auf dem Berge, eine Stadt des Lichtes, der Wahrheit und Gerechtigkeit werden möchte. Hierauf zeigte Zeller, was nach Anleitung des Textes der Inhalt der Predigt sein soll und legte es besonders den Kandidaten ans Herz, daß nicht Menschen-, sondern Gottes Wort durch sie gepredigt werden soll, damit sie nicht andern predigen und selbst verwerflich werden; er zeigte ferner, wem die Predigt gelte — nicht den Satten, nicht den Weisen, Gesunden, Reichen, sondern den Armen, den zerstoßenen Herzen, den Gefangenen, den Blinden, denen die mit zerknirschten Herzen alö arme Sünder zu Jesu kommen und um Gnade und Vergebung und um ewiges Leben bitten. Endlich beantwortete er noch die Frage, was die Predigt des Wortes Gottes bezwecken soll? und hob hervor, daß wir uns erneuern kaffen sollen im Geiste des Gemüthes und anziehen den neuen Menschen, der