Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 5-6 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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82 eigenen andersgesinnten Angehörigen, sondern besonders auch von den mächtigen Klöstem zu erdulden und unter dem Haß der Ehr- und Eifersucht der anderen Kirchen und der türkischen Regierung sehr viel zu leiden hatte, da es von diesen Seiten von Anfang an auf nichts anderes abgesehen war, als durch fortgesetzte Bedrückung die Entstehung oder Bildung einer protestantischen Gemeinde zu Hintertreiben oder eine Existenz derselben zu leugnen. „Ja, ein Wunder ist es, daß der Bau der Kirche gerade zu einer Zeit geschehen konnte, wo das ganze Land mit einer furchtbaren Hungersnoth, wie sie seit einem Menschenalter hier nicht erlebt worden ist, heimgesucht wurde und somit Vielen, die daran arbeiteten, ihren Unterhalt verschaffen und sie vom Hungertode erretten konnte. So hatten also die milden Gaben der lieben Freunde einen doppelten Werth erhalten, die Kirche konnte erbaut und zu gleicher Zeit die Hungernden damit gespeist werden. Möge nun dieses Gotteshaus, das in Zukunft Lsniset ei Muchallas, d. h. Heilandskirche heißen soll, von recht vielen hungernden Seelen besucht und ein Mittel werden, daß durch das in demselben dargereichte Lebensbrot Viele vom ewigen Tode errettet werden können. „Die Einweihung dieser Heilandskirche fand also, wie oben erwähnt, am Sonntag den 1. Oktober statt; deshalb sah man auch schon in aller Frühe die Festgäste in ihren verschiedensten Sonntagstrachten von den zu dieser Mission gehörigen fünf Außenstationen herbeiströmen, und man konnte es in der That schon von Ferne aus den erstaunten und fröhlichen Blicken eines Jeden erkennen, daß eS sich heute in Nazareth um etwas Besonderes und Außergewöhnliches, ja hier wohl nie Erlebtes handle, denn es sollten ja auch zwei Eingeborne und ein europäischer Katechist zu Diakonen ordinirt werden. Schon was die Leute von Ferne erblickten, erfüllte sie mit Erstaunen. Die Sonne war eben ausgegangen und das von allen Seiten frei und erhaben stehende Kirchlein spiegelte sein Silberweiß in ihrem ersten Morgenglanz, als wollte es jedem Herbeieilenden mit frohem Blicke zurufen: „Schmückt das Fest mit Maien! Lasset Blumen streuen.