Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 5-6 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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76 nicht ganz Israel, sondern nur ein Theil in Blindheit lebe: denn das sahen sie ja mit Augen. Auch nicht darin, daß ein größerer Theil von Israel, als sie meinten, gläubig geworden sei; davon war V. 3—5 die Rede. Die Worte V. 25—26 aber lauten ganz anders. Ebensowenig kann das Geheimniß darin gesucht werden, daß auch den Israeliten unter der Bedingung der Bekehrung zu Christo der Weg zur Gnade nicht verschlossen sei; denn daS ist eben selbstverständlich. Daher endlich aber auch nicht dies das Ge» heimniß sein kann, daß sich zu allen Zeiten einige Juden bekehren würden, da hieran ohnedem kein vernünftiger Mensch zweifeln würde. Die Gegner pflegen es als nichts Besonderes anzusehen, daß die Juden noch beständig als ein abgesondertes Volk forldauern, da man doch so oft alle gelinden und gewaltthätigen Mittel angewandt hat, sie zur Religionsänderung zu bringen und mit den andern Völkern zusammenwachsen zu lassen. ES sollte aber die Fortdauer des jüdischen Volkes in seiner so ungeheuren und langwierigen Zerstreuung, welche in der Geschichte nirgends etwas ähnliches hat, allerdings als eine Probe einer besonderen Vorsehung Gottes alle Menschen aufmerksam machen. WaS aber die Offenbarung Johannis betrifft, so wird der, welcher nicht gewohnt ist, in den geistlichen Deutungen auf die christliche Kirche, wie sie seit der Apostel Zeiten gewesen ist, auszuschweifen, und wer nicht zum Voraus festsetzt, es müsse Alles nur Kirchengeschichtliches behandeln, der Text sage, was er wolle, in diesem Buche die Hoffnung Israels und den Fall des Antichrists gewiß mit der gleichen Kenntlichkeit beschrieben finden; eben daher wird ihm dieses Stück der Weissagung wenigstens verständlich sein, wenn vor ihm gleich vieles Andere zur Zeit noch versiegelt ist. Weiter verklagt man die Leute, welche die zukünftige Bekehrung nach der Schrift behaupten, als Chiliasten. Dieselben, so sagt man, stellen sich einen Stand der Vollkommenheit und eine aus lauter Heiligen bestehende Kirche schon in der Welt vor und heben die Gestalt des Kreuzesreiches Christi auf; sie erwarten neue Wunder und Propheten, gerade als ob die Schrift zur Seligkeit nicht ausreichend wäre; sie trennen den Fall des Antichrists und das Ende