Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 5-6 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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75 legen; die Juden dagegen werde man nur in ihrer fleischlichen Hoffnung stärken, wenn man so viele herrliche Verheißungen ganz oder vornehmlich auf sie deute. Hierauf ist zu antworten: Es widerstreitet einander nicht, daß der Israel Gottes in der kleinen Hälfte der Zeiten des Neuen Testamentes aus dem ersten Haupttheil des gläubig gewordenen leiblichen Israels zusämmt der Menge der Nationen besteht, welche durch ihn bekehrt worden und mit ihm zu einem Volke zusammengewachsen sind. Dazu sind denn in allen Zeiten noch immer von Neuem bekehrte Juden gekommen. In der größeren Hälfte der Zeiten hingegen soll noch der übrige Theil des leiblichen Israel und die übrige Menge der ungläubigen Nationen dazu kommen. Die Verheißungen sind dem gläubigen Israel gegeben. Wer aber des Glaubens Abrahams ist und bas Evangelium von Jesu annimmt, das durch Abrahams Kinder in der Welt gepredigt worden, der wird vermöge des göttlichen Bundes auch für Abrahams Saame gerechnet Gal. 3, 4. Die leibliche Abstammung von Abraham hilft den ungläubigen Israeliten so wenig, als sie den Arabern hilft. Aber das ist eine ganz andere Frage, ob nicht die ungläubige Nachkommenschaft Abrahams künftig gläubig werden tvird. Sind doch auch unter jenem Geschlechte, bas Jesum verwarf, viele Zehntausend Israeliten (Apost.-Gesch. 21, 20) gläubig und das Muster der ganzen Christenheit geworden. Sodann aber handelt es sich darum, ob uns nicht viele prophetische Verheißungen, wenn wir uns nicht zu erzwungenen Auslegungen entschließen, nöthigen, sie von dem leiblichen Israel zu verstehen. Es wird hierfür auf die Schrift von Fehren verwiesen, und damit dieser Beweis abgekürzt. Ferner werden Deutungen des 11. Capitels im Römerbriefe besprochen, welche die dort behauptete Bekehrung der Juden umgehen wollen, und es wird derselben entgegengehalten, daß auf diese Weise alle anderen Glaubens- und Siktenlehren mit demselben Rechte geleugnet werden könnten. Der Apostel spricht aber von einem Geheimniß (Röm. 11, 24—26). Das Geheimniß kann unmöglich darin bestehen, daß die Römer etwa erfahren sollten, wie