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Dibre Emeth · 1872-01-01 · 5-6 (1872) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
28 (1872)
Issue
5-6 (1872)
Date
1872-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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74 \ Viele wollen aus Unglauben oder Schwachgläubigkeit die Bekehrung der Juden nicht hoffen. Oftmals kommt es daher, daß sie sich die Sache selbst auf unbequeme Weise vorstellen und sich durch eigene Zusätze Schwierigkeiten machen. So wollen Manche, daß die Schriftstellen miteinander im Streite liegen, da einige den jüngsten Tag nahe setzen, oder ihn mit dem Fall deö Antichrists folgen lassen, oder das jüdische Volk als von Gott ganz verstoßen betrachten sollen, während andere noch große und der Welt unglaubliche Dinge vor diesen Taq setzen, die bisher noch nicht eingetroffen sind. Deshalb erklären sie es für einen politischen Streich, die Leute mit der Erwartung eines siegreichen Heilands, mit der Hoffnung glücklicher Zeiten und großer Begebenheiten hinzuhalten. Geben diese noch Wunder ' in der Bibel zu, so soll es seitdem aber mit den Wundern aus sein. Die Weltmaschine ist durch dieselben oft genug gestört worden; künftig muß sie wie ein Uhrwerk vor sich gehen. Sie wollen aus der Verfassung und Gestalt des Gegenwärtigen über das Zukünftige urtheilen. Nach ihrer Meinung kann nichts bevorstehn, davon sie nicht schon jetzt merkliche Anstalten sehen. Sie bedenken nicht, daß es noch einmal so kommen könne wie ehemals, da im 18. Jahre des Kaisers Tiberius es die weltklugen Leute für eine Fabel gehalten haben würden, wenn ihnen Jemand gesagt hätte, wie es in 20 oder 50 Jahren aussehen würde. Viele sind in die vermeinten Vorzüge unserer Zeiten so verliebt, daß sie den gegenwärtigen Zustand der Erde gar nicht für einen solchen ansehen, welchen Gott zu ändern Ursache habe. Der eingebildete Flor der Wissenschaften, Sprachgelehrsamkeit und Künste nimmt sie so ein, daß sie nichts mehr bedürfen, als daß auf dem bisherigen Grund immer fort gebaut würde. Andere freilich glauben an eine künftige Bekehrung der Juden nur dämm nicht, weil sie derselben ihre besonderen Auslegungen der Schrift entgegensetzen. Man meint, es sei nicht nöthig, die Stellen der Propheten auf das leibliche Israel zu deuten. Man dürfe sie nur im geistlichenn Verstände von der Kirche Christi, als dem Israel Gottes, aus-

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