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Dibre Emeth · 1872-01-01 · 5-6 (1872) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
28 (1872)
Issue
5-6 (1872)
Date
1872-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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70 Der Vater gab trotz seiner Liebe zu dieser Tochter und zu ihren Kindern ihren Vorstellungen nach, und so miethete dieselbe sich nun mit den Ihrigen in Stuttgart ein. Sie ließ den Töchtern in dieser Hauptstadt einen letzten abschließenden Unterricht geben, fühlte alsdann aber auch, daß ihre nächste Aufgabe an denselben nunmehr beendigt sei. Um so ernster trat daher die Frage an sie heran, was sie jetzt beginnen solle. Das kleine Leuteöheim und die mit Pfarrer Fink besprochene Idee der christlichen Erziehung der Kinder auf dem Lande kam ihr wieder und immer wieder in Herz und Sinn. Sie setzte sich mit demselben in Briefwechsel und hörte von dem guten Fortgange der dortigen Strickschule, die aber durch die Erwartung eines Kindes in der Pastorfamilie wohl eine Unterbrechung erfahren würde. Das erschin der Frau Jolberg als ein Wink, das so schön begonnene Werk nicht eingehen zu lassen. Sie beschloß deßhalb nach Leutesheim zu ziehn. Ihr Vater wollte sich freilich mit dem Gedanken nicht recht aussöhnen, daß seine nun herangewachsenen Enkelinnen in einem so ganz verborgenen Orte wohnen sollten, den er nicht einmal auf einer guten Karte von Baden vorfand und von dem er nichts erfahren konnte, als daß dort viel Hanf bereitet werde, welcher die Luft verpeste. Gute Freunde gewannen ihn jedoch zuletzt für den Plan seiner Tochter. Ein passendes Unterkommen war aber freilich für Frau Jolberg und ihre Familie nicht zu finden. Sie mußte sich entschließen, ein einfaches, aber frei und hübsch gelegenes Bauerhaus mit Hof und Gärtchen, das gerade zu haben war, anzukaufen, um dasselbe nach ihren Bedürfnissen auszubauen. Für die Töchter war es wohl das größte Opfer, die Residenz mit ihren zahlreichen Bekannten und so Vielem, was sie für Geist und Herz darbot, mit einem kleinen Dörflein zu vertauschen, aber sie rissen sich dennoch loö, und der Gedanke, für den Herrn arbeiten zu dürfen, erfüllte selbst ihre Herzen mit Freude. (Fortsetzung folgt).

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