Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 5-6 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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68 und als ihr der eigene Hausarzt kn der Heimath darüber Vorwürfe machte, äußerte sie nur: „ich fühle aber keinen Schmerz mehr." Der Arzt untersuchte sie und fand zu seinem wie zu der Patientin Erstaunen, daß die Wunde sich geschlossen hatte. Auf den Wunsch ihres Vaters verließ sie nun Berg und zog mit den Kindern zu ihm nach Heidelberg, 1832. Derselbe hatte ihr trotz ihres Uebertritts die alte treue Vaterliebe unverändert erhalten, und auch die übrige Familie nahm sie freundlich auf. Mit großem Eifer und Treue übernahm sie die, immer bedeutendere Ansprüche an sie stellende Aufgabe des Unterrichts der eigenen Kinder. Bei der Ueberfüllung der Mädchenschulen konnte sie sich nicht entschließen, ihre Töchter denselben anzuvertrauen; der erziehliche Schwerpunkt fehle in ihnen, das war die Sorge, welche sie zum Privatunterricht bestimmte. Daneben widmete sie sich auch möglichst ihrem alten Vater. Jemehr ihr christlicher Standpunkt ihr selbst zur festesten Gewißheit wurde, desto mehr suchte sie auch ihrem Vater das, was ihr selbst theuer und unentbehrlich geworden war, nahe zu bringen, ohne eS ihm aufdringen zu wollen. Er aber ging gern in ihren Gedankenkreis ein, wenn er ihn auch noch nicht zu dem seinigen machen konnte. Daneben pflegte sie manche Freundschaft. Der Orientalist Professor Hanno, der spätere Professor Fortlage in Jena und gar manche Andere fühlten sich von der für alles Geistige, für Musik, für Literatur, für Malerei außerordentlich angeregten Frau ganz besonders verstanden. Aber auch Männer ganz anderer Richtung standen mit ihr im Verkehr, wie der jüdische Dichter Berthold Auerbach, der bekannte geistreiche Kämpfer für die politische Gleichstellung seiner jüdischen Glaubensgenossen vr. Rießer aus Hamburg und der ebenso bedeutende Verfechter des Judenthums vr. Steinheim. In dem Hause ihres Vaters war das orthodoxe Judenthum mehr und mehr von dem modernen verdrängt worden und man ließ daselbst die verschiedensten Standpunkte gelten. Differenzen und Collistonen konnten freilich nicht auöbleiben, aber sie zeriffen nicht das Band mit dem Vater und den Geschwistern. Ihr Bruder Adolf schreibt