Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1872-01-01 · 5-6 (1872) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
28 (1872)
Issue
5-6 (1872)
Date
1872-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2554797-2554801--05753-2561720
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

67 anderes Mal war ein großes Weihnachtsbild unter einem mit Lichtern besetzten Moosbogen aufgestellt, welcher von einem der Christbäume bis zum andern reichte. Ein Moosaltar mit Spiritusstammen fehlte auch selten. Dabei hatte sie eine besondere Erfindungsgabe, so daß sie jedes Jahr die Kinder mit einer neuen Herrlichkeit zu überraschen wußte. Sie verstand es recht ein Kind unter Kindern zu sein, und ihr von Natur heiterer Sinn brachte Leben und Frohsinn in den Kinderkreis. Doch blieben auch manche ernste Erfahrungen nicht aus. Ihr Bruder Sigmund, der als Professor und Appell.-Rath nach Jena berufen worden war, starb daselbst 1830; „der Mann mit der hohen weißen Stirn und der bezaubernden Milde", wie ein Freund ihn nennt, ein lebendiger Beweis von der Macht des Evangeliums über jüdische Herzen. Im folgenden Jahre 1831 fühlte sie sich selbst ernstlich unwohl. Mit der Energie ihres Willens versuchte sie aber dagegen anzukämpfen; „man belegt oft, schreibt sie in ihrem Tagebuche, seine Faulheit mit den schönsten Namen, als da sind: angegriffene Nerven, geschwächte Gesundheit, und im Ganzen sind wir nur zu bequem, uns aufzuraffen und unsere Pflicht zu thun." Doch das Uebel machte sich immer bedenklicher geltend; es war ein immer heftigerer Schmerz im linken Bein, der sie nach und nach am Gehen verhinderte. Aus der langen Pflege zweier schwindsüchtiger Männer war bei ihr selbst etwas zurückgeblieben. Der Arzt mußte ihr ein tiefgehendes Eitergeschwür aufschneiden und zwar in wiederholten Operationen; Nervenfieber, Gallenfieber und Rose traten hinzu und brachten ihr Leben in die äußerste Gefahr. Nach einer neuen furchtbaren Operation im folgenden Sommer schickte sie der Arzt nach Wildbad, das ihr außerordentlich wohl that. Im Jahre darauf mußte sie noch einmal das Bad besuchen, aber nach acht Bädern erhielt sie die Nachricht vom Tode ihrer Mutter. Sie fühlte, daß der Vater in diesem Schmerz ihrer bedurfte; trotz des Widerspruchs des Arztes, der 32 Bäder als unerläßlich bezeichnete, machte sie sich auf den Weg. Entschlossen, wie sie immer war, nahm sie eine lange Binde, wickelte ihr Bein in dieselbe fest ein, b*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.