Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 5-6 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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66 lade in Ordnung haben. Die Mutter pflegte sie selbst nachzusehen. Von der einen oder andern war diesmal Alles nur eilig und oberflächlich in Ordnung ■ gebracht worden. Als aber die Mädchen nach Hause zurückkehrten, entdeckte die eine (die einzig Ordentliche) vor ihrem Bette einen herrlich blühenden Levkoyenstock mit einem rosa Blättchen, das die Inschrift trug: „Preis der Ordnung für N. N." In dieser Zeit laS Frau Jolberg das Leben der Fürstin Pauline zu Lippe-Detmold, welche eben, als eine der Ersten, Anstalten eröffnet hatte, in denen Kinder zarteren Alters leiblich und geistig gepflegt würden. Schon damals fühlte die Wittwe, wenn auch dunkel, daß auf diesem Gebiete die eigentliche spätere Hauptaufgabe ihres Lebens liege. Manch interessanter Besuch unterbrach ihr ländliches Stillleben. So kam zu ihr öfters der Dichter Lenau von Stuttgart aus. Lenau selbst, der auch seinen Freund, den Polen Mattusstnsky bei Frau Jolberg einführte, schreibt unter Anderem von einem dieser Besuche: „Wie die Frau früher die Disharmonie seiner (des Polen) Flöte durch ihr schönes Klavierspiel, so sucht sie jetzt die Disharmonie seiner leidenden Seele zu heilen durch die schöne Harmonie ihrer Frömmigkeit. Ich stimmte natürlich auch in die Weise meines Freundes, aber die Frau war nicht wehrlos. Vor dem Eingang in den Tempel ihrer Religion stand eine gut erercirte schlagfertigoWiliz logischer .Bewaffnung, welche sich tüchtig wehrte gegen die Invasion unserer Ketzerei. Ich hatte meine herzliche Freude an der herrlichen Frau." Insbesondere ging ihr Bemühen darauf, das Haus den Kindern recht heimathlich zu machen. Dazu mußte ihr Alles dienen; es sollte Alles den Kindern eine Atmosphäre schaffen, in der es ihrem Gemüthe wohl würde. So wußte sie z. B. den kleinen häuslichen Festen, oft mit ganz einfachen Mitteln, eine sinnige Anordnung und einen höheren Hauch zu geben, und dadurch einen poetischen und frommen Sinn bei den Kindern zu wecken und zu pflegen. Besonders verstand sie es, das Weihnachtsfest den Kindern zu verherrlichen. Wenn dieselben in das hell erleuchtete Zimmer eintraten, so war es einmal ein die Geburt Christi darstellendes Transparent, das aus einer Laube von Epheu ihnen entgegenstrahlte; ein