Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 3-4 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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51 Der Bann über Spinoza. In den mannigfaltigsten Tonarten hören wir das moderne Judenthum von der „weltgeschichtlichen jüdischen Toleranz" sprechen. Als einen Beitrag hierzu theilen wir den Bann mit, welcher wegen Ketzerei über den größten aller Philosophen des Judenthums von der jüdischerseits als Neu-Jerusalem gepriesenen, durch Reichlhum, Bildung und Eleganz in der Thar auch alle ohne Ausnahme unendlich übertreffenden Gemeinde Amsterdam verhängt worden ist. Der betreffende Bann ist der schwere (Cherem), dem der leichtere vorangegangen sein muß: Der Cherem (Bann), welcher von der Theba veröffentlicht wurde am 6. des Monats Ab (1656) gegen Baruch de Espinoza. Die Herren des Maamad (Vorstand) thun euch zu wissen, daß sie schon vor einiger Zeit Nachricht von den schlimmen Meinungen und Handlungen des Baruch de Espinoza hatten, und sich durch verschiedene Wege und Versprechungen bemühten, ihn von seinen schlimmen Wegen abzuziehen. Sie konnten dem nicht abhelfen; im Gegentheil erhielten sie täglich mehr Nachrichten von den entsetzlichen Ketzereien, die er übte und lehrte, und von den ungeheuerlichen Handlungen, die er beging. Sie hatten davon viele glaubwürdige Zeugen, welche Alles berichteten und bezeugten in Gegenwart des besagten Espinoza, wovon er überführt wurde. Da dieses Alles in Gegenwart der Herren Chachamim (die höchsten Gelehrten oder Gesetzeskundigen) geprüft wurde, beschlossen sie mit deren Zustimmung, daß besagter Espinoza sei gebannt und von Israels Nation getrennt, wie sie ihn gegenwärtig in Cherem legen mit folgendem Cherem: Mit dem Beschlüsse der Engel und dem Spruch der Heiligen bannen, trennen, verfluchen und verwünschen wir Baruch de Espinoza, mit Zustimmung des hochgelobten Gottes und dieser heiligen Gemeinde vor den heiligen Büchern der Thora mit ihren 613 Vorschriften, die darin geschrieben sind, mit dem Cherem, mit dem Josua Jericho gebannt, mit dem Fluche, mit dem Elisa die Knaben verflucht hat und mit allen Flüchen, die im Gesetz geschrieben sind. 4*