Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 3-4 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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47 gewisse Bedingungen normet, unter welchen auch das Schreiben zweier Buchstaben keine Sabbathverletzung enthielt, wenn es z. B. in Etwas geschähe, worin die Schrift nicht bleibt, wie im Staube. Wir führen dieses Beispiel aus zahllosen nur an, um denen unsrer Leser, die nicht ganz sachkundig sind, verständlich zu sein. Wie diese Anschauung, diese Tendenz und ihre Verwirklichung mit der Wiederherstellung des Staates während des zweiten Tempels unter der Oberherrschaft fremder Völker, der Perser, Macedonier, Syrer, Aegypter und Römer begannen, so fanden sie ihre immer weitere Durcharbeitung in den Zeiten der Zerstreuung der Juden unter alle übrigen Völker, und erhielten eine immer festere Herrschaft über die gesammten Bekenner des Judenthums, je isolirter und ausgeschlossener, bedrückter und verfolgter unter den Völkern sie lebten. Es war also eine mehr als zweitausendjährige Herrschaft, welche diese talmudische Rechtsanschauung, die wir als die casuiftische bezeichnen, übte. Durch die Fügungen der göttlichen Vorsehung trat aber mit dem Ende des vorigen Jahrhunderts ein großer, tiefeinschneidender Umschwung der Dinge ein. Die Juden traten aus den, materiell, politisch und geistig sie aus- und abschließenden Ghettis heraus und in das gesammte Culturleben der civilisirten Völker ein. Hierdurch entstand in ihnen und für sie eine solche Veränderung in allen ihren Verhältnissen, in den Erfordernissen des materiellen und geistigen Lebens, in Sitten und Gebräuchen und in der geistigen Anschauung selbst, daß zunächst auch das bisherige Judenthum in seinem talmudisch-casuistischen Charakter und in seiner Erscheinungsweise davon tief bewegt werden mußte. Wir sagen, daß dieser Umschwung ein Werk der göttlichen Vorsehung war, da er von Individuen gänzlich unabhängig, nicht einmal von den Juden selbst allein ausging, sondern zu ihm auch eine große Entwickelung und Umgestaltung in den Culturvölkern selbst erforderlich und nothwendig war. Nicht also von einzelnen Menschen, die nur hier und da einen Anstoß geben und Werkzeuge sein konnten, sondern von einer allgemeinen aus der Entwickelung geflossenen Veränderung in den Völkern und von der gesammten jüdischen Masse wurde dieser Umschwung vollbracht und muß daher von uns als ein Werk der