Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 3-4 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Zn demselben Jahre 1823 erkrankte vr. Neustetel an einem Katarrh, den er nicht genug beachtete. Derselbe, eine Nachwirkung einer früheren Lungenentzündung, schien bei der sonstigen Kraft und Gesundheit des Mannes nicht bedenklich. Mit der Zeit jedoch stellte sich Fieber ein und der Zustand erschien gefährlicher. Unter treuer ärztlicher Mühe und sorgsamer Pflege der Frau trat eine kleine Besserung ein. Da brach in einer kühlen Nacht Feuer in der Stadt aus, der Kranke eilte dahin zu helfen und erlitt einen schweren Rückfall. Der Arzt wußte keinen andern Rath, als ihn für den Winter nach Nizza zu senden. Er nahm einen zweijährigen Urlaub, seine Frau begleitete ihn, die Kinder blieben in der Pflege der Schwägerin Caroline Zimmern in Heidelberg. In Nizza gehörten sich nun die beiden Ehegatten ganz ungestört einander allein an. „Da trat denn auch, so schreibt seine Frau, das tiefe innere Bedürfniß meines innerlich fein angelegten leidenden Leopold hervor; es entwickelte sich durch das Verständniß und gleiche Bedürfniß seiner Frau, und er erklärte, wenn er wohler sei, so wollten wir uns im Christenthum unterrichten und taufen lassen und dann einen südlichen Wohnsitz nehmen. In demselben Hause mit uns wohnte eine englische Predigerfamilie, die uns fleißig besuchte und uns auch mit dem Wege des Heils bekannt machte. In dem Verlangen, mit dem Christenthum näher bekannt zu werden, war uns der Umgang mit diesen christlichen Freunden ein Wegweiser zum Leben; auch wiederholte mein Mann mehrmals seinen Vorsatz, sich von einem christlichen Prediger unterrichten und taufen zu lassen. Dieser Ausspruch beruhigte mich bei seinem Begräbniß." „Am 24. Januar 1824 entschlief er sanft und still, und ich stand allein im fremden Lande. Schon zwei Tage lag die Leiche und ich wußte noch nicht, wohin wir sie begraben sollten. Die Wirthin des Hauses, die immer sehr freundlich gewesen, erfuhr erst jetzt, daß wir Juden seien und bekam einen solchen Schreck, darüber, daß sie vor mir auf die Knie fiel und bat, dies doch nicht zu offenbaren, weil sie sonst gewiß lange Zeit keine Miethsleute wieder bekommen würde. Ich nahm nun meine Zuflucht zu dem englischen Prediger, wiederholte die