Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 3-4 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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41 fallende Verheiratung ihres zum Christenthum übergetretenen Bruders Sigmund, damals Professor in Heidelberg, mit ihrer nächsten Freundin Caroline Walther. Es ist bezeichnend für die Braut, daß sie von dem jungen Professor und vr. juris die Zustimmung begehrt und erhält, nach der Trauung sogleich mit ihm nach Düsselthal zu fahren unb dort unter den armen Kindern der Rettungsanstalt des Grafen von der Recke den Tag ju feiern, was denn auch geschah. Das Verlangen und Sehnen Reginens und ihres Mannes nach dem vollen Licht der Wahrheit und dem Frieden des Herzens wurde nun um so stärker. Neustetel schreibt an seine Frau; „Ich habe zweimal den unvergleichlichen Aufsatz von Herder — ein Feuerstrom flüssigen Goldes — gegen Kant gelesen: spielend weist er aus der Sprache nach, als der untrüglichsten Offenbarung reiner Vernunft, welche von unseren hochtrabenden philosophischen Worten ewig Wörter, sinn- und bedeutungslos, bleiben müssen. Unsere Freiheit besteht darin, dem Willen Gottes mit Bewußtsein freudig zu folgen und von seiner Weisheit in «ns gelegte widerstrebende Kräfte zu bewältigen. Jetzt erst verstehe ich, was Glauben heißt. Ich wähnte immer, man sollte an irgend einen Lehrsatz glauben, aber glauben ist vertrauen, vertrauen, daß die unendlichste Liebe unsere Wege bezeichne und von uns nichts wolle, als daß wir sie erkennen, damit wir glücklich sein mögen. Darum habe ich auch im Neuen Testamente den oft wiederkehrenden Mahnruf: Glaube! nicht verstanden, er bedeutet: Vertraue! und das ist auch dem griechischen Urtext ganz angemessen. Ich fühle schon jetzt, wie die so schwer vermißte Einheit meines Wesens sich von fern gestaltet." Regina antwortete ihm: „Leben ist kein kleines Ziel, die Feinve in unserm Innern wachsen schnell, wir wollen sie aber zusammen bekämpfen. Demuth ist die höchste Krone, die der Mensch tragen kann; alle großen Seelen Habens gefühlt; ich sprach zu Dir einmal bei Schillers Ballade vom Herzen, .das sich selbst bezwungen. Der Glaube muß die Kraft verleihen, den Weg zu betreten; mit Predigen, was Verstand sei, giebst Du Deinem Innern keine Kraft .nur das Herz lehrt Glaube, nicht der Verstand."