Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 3-4 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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39 ihre Seelen wälzen, sie wähnen sich dadurch in seinen Augen zu zieren; die Schmach, die dem göttlichsten der menschlichen Dinge, dem Rechte, täglich in Wort und Zweifel angethan wird, das ist's was mich oft mit Trauer erfüllt." Die Frage über die Stellung der Juden beschäftigt auch ihn lebhaft und wird ihm immer wieder eine Frage nach seiner Stellung zum Christenthum. Ein rückhaltloses ernstes Ringen nach Wahrheit blickt auch in diesem Punkte bei ihm durch seine Worte und Handlungen hindurch. „Es giebt kein zischenderes Brandmal für die Christenwelt als die Judenverfolgungen," sagt er, aber ebenso: „Der alte Judenpelz wird, wie es scheint, in Ost und Westen ausgeklopft, was unstreitig ein kräftiges Gegenmittel gegen unfern Uebermuth und unsere Impertinenz ist." Ein ander Mal schreibt er an Regine in Bezug auf seine und seiner Freunde Bemühungen zur Hebung und Förderung der Juden: „Unser Unternehmen steht mir lebhaft vor der Seele, und ich kann schwören, daß ich dabei für mich nichts bezwecke und Alles nur für das so tief gesunkene und doch von Gott so reich ausgestattete Volk; es allein hat den tiefreligiösen Sinn, der selbst in seinem Aberglauben unverkennbar ist, und aus keinem andern wäre der höchste Mensch hervorgegangen; auch bin ich, wie dir wohl bekannt, ganz wider meinen Willen mit Gewalt auf die Lehre Jesu, die ich hätte Niederkämpfen mögen, immer hingedrängt worden, je eifriger ich gegen sie anstritt. Es wird mir auch noch Manches klar werden, was mir noch dunkel ist; bete mit mir, daß mir die Kraft werde, meine Ueberzeugungen den Andern mitzutheilen, in sie überzuströmen." In solcher inneren Verfassung traten die Verlobten am 29. August 1821 in den Ehestand. Sie wohnten nun in Hanau, wo auch die Großeltern Neustetels und drei ältere unverheirathete Onkel desselben sich aufhielten. Die Liebe und Verehrung, die Alle dem jungen und genialen Dr. juris entgegentrugen, von dem man voraussetzte, er werde einst eine glänzende Laufbahn machen, wendete sich auch in vollem Maße seiner liebenswürdigen jungen Frau zu. Besonders aber sammelte sich um Regine eine Anzahl geistig