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Dibre Emeth · 1872-01-01 · 3-4 (1872) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
28 (1872)
Issue
3-4 (1872)
Date
1872-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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37 Haus kamen, zu unterhalten. Es wurde musicirt, wir lasen deutsche und andere Klassiker, auch die griechischen Tragödien lernte ich kennen; doch nie verlor sich ganz das Sehnen meines Herzens, und oft in stillen Stunden hieß es in mir: Wenn du auch Allen gefällst, so kannst du doch Gott nicht gefallen; du kannst so, wie du bist, nicht in den Himmel kommen. So wurde ich 18 Jahr alt, als ich den innigsten Freund meines Bruders Sigmund kennen lernte, Leopold Joseph Neustetel. Er war ein edler Jüngling, und als er mir seine Liebe erklärte, hatte ich gar keinen Grund, ihm die »reinige zu versagen. Aber immer fehlte mir eine innere Befriedigung, ich suchte und suchte und fand doch nicht. Freundschaft und Liebe konnten mich nicht befriedigen; doch war ich, was man so nennt, glücklich, und ich mußte meinen Bräutigam je mehr untz mehr achten unv lieben." Er verließ später Heidelberg und bezog noch andere Universitäten. Eine rege Korrespondenz fällt in diese Zeit. Um in der großen Haushaltung und bei den vielen Ansprüchen derselben ihrer weiteren Ausbildung in Musik und schönen Wissenschaften zu leben, mußte sie die frühen Morgen- und die späten Abendstunden zu Hilfe nehmen. Diese Gewöhnung an frühes Aufstehen war es auch, die es ihr später möglich machte, neben ihrer vielen Berufsarbeit doch noch die nöthige Ruhe zu stiller Sammlung zu finden. Der Vater aber, der mit großer Herzensgüte einen offenen Sinn für alle wichtigen Fragen der Gegenwart und ein reges Interesse an allen religiösen, litterarischen und politischen Erscheinungen vereinigte, führte manche bedeutende Männer, besonders auch aus der Ferne, in seinen Familienkreis ein, und für die Söhne sowohl als für die Töchter erwuchs daraus ein wichtiges Bildungsmittel. Besonders beschäftigte die Judenfrage, die Frage über das Loos und die Zukunft der Israeliten, Reginens Umgebung. Mit der ganzen Innigkeit, mit der ihr Herz für Israel vor Allem eine sittliche Erhebung herbeisehnte, ergriff sie diese wichtige Sache ihres Volkes. „Christi erhabene Lehre," wie sie es nannte, stand daher, wenn auch in unbestimmt verschwimmender Weise und unter Anerkennung einer inneren Gleichberechtigung verschiedener Religionen, als echte

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