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Dibre Emeth · 1872-01-01 · 1-2 (1872) · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
28 (1872)
Issue
1-2 (1872)
Date
1872-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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28 auf meinen ganzen Lebensgang und erwäge, was der treue Heiland an mir gethan hat, so muß ich bekennen, er hat seine Verheißung: „Wer Weib oder Kinder verläßt um meinetwillen rc." an mir treulich erfüllt, und mir Alles reichlich wieder gegeben. Ja, zu seinem Preise muß ich ihm nachrühmen, baß er, seit ich ihn erkannt habe, sich meiner mehr als väterlich angenommen hat, und daß ich nie an dem Röthigen Mangel gelitten habe. Bei diesem Rückblick muß ich gebeugt ausrufen: Das hat der treue Heiland an dir gethan! was aber hast du für ihn gethan? kann er nicht mit Recht von dir verlangen, daß Geist, Seele und Leib nur ihm geweiht sei, daß all' dein Tichten und Trachten nur dahin gehe, ihm zu gefallen? daß du nicht mehr dir, sondern allein ihm leben sollst, der für dich gestorben ist? — Untersuche ich mich nun im Lichte des Geistes Gottes: war und bin ich jetzt das, waS ich sein sollte, und durch seine Gnade sein könnte? was soll ich da antworten? Mit jenem Zöllner muß ich ausrufen: Gott sei mir Sünder gnädig! denn ach! wie oft habe ich sein treues Bemühen, auch aus mir einen Menschen Gottes zu erziehen, so vielfältig erschwert! Und jetzt noch weint oft mein Herz in mir voll Kummer über sich, wenn ich bedenk', mein treuester Freund betrübe sich ui» mich, an dem er schon so viel gethan, und nicht mehr Freude haben kann! Aber soll ich verzagen und den Muth sinken lassen, wie zuvor unter den Juden? Ach nein! Gott sei Dank, daß ich es weiß, ich habe einen solchen Hohenpriester, der allenthalben versucht worden ist, wie ich, aber ohne Sünde ist erfunden worden, und der Mitleiden haben kann auch mit meiner Schwachheit. So oft ich mit einem zerschlagenen Herzen und zerknirschten Geist mich unter sein Kreuz hinwerfe, mit der Bitte: „Schau her, mein Heiland, hier liege ich Armer, der Zorn verdienet hat, der längst schon verdienet hat, daß Du zu Deinem himmlischen Vater sagtest: „Haue diesen unfruchtbaren Baum ab!" Du aber hast es nicht gethan, sondern lässest statt dessen Dein Blut um so stärker für mich um Barmherzigkeit schreien; darum bitte ich Dich: Gib mir, o mein Erbarmer! um Deines Blutes und Todes willen jetzt aufs Reue den Anblick Deiner Gnade!" so höre ich jedesmal seine mitleidsvolle, barmherzige Stimme

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