Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 11-12 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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171 da ab schien nichts mehr ihre Freude in dem Herrn zu trüben, und manche Christen verließen die armselige Wohnung, belehrt und gedemüthigt durch den Gegensatz zwischen diesem Glaubensleben und ihrer eigenen Lauheit. Im täglichen Leben zeigte sie eine fast beispiellose Geduld. Sie war dankbar für die geringste Aufmerksamkeit, die man ihr bewies und zufrieden mit Allem, was man ihr gab. Den Frauen, bei denen sie wohnte, keine Mühe zu machen, war ihr großes Anliegen. Sie achtete das, was sie um Jesu willen verloren, für nichts, um so höher aber ihren Gewinn in Ihm. Ihrer Familie bewahrte sie die zärtlichste Liebe und ließ sich gern überreden, daß ihres Vaters Absicht, sie lebendig zu begraben, wohl nur ein Schreckbild ihrer eigenen Phantasie gewesen sei. Jerusalem blieb ihr immer ein theurer Name. Sie wünschte dort zu sein, um, wie sie sichö dachte, gleich unter den Ersten zu sein, welche den zu sehn bekommen, den ihre Seele liebte. Israel lag ihr immer sehr am Herzen. „Gibt es Viele meines Volks, die Jesum lieben?" konnte sie fragen. „Warum gehen die Christen nicht gleich dem guten Caplan zu den Juden, unter denen sie gewiß viele Habibas fänden, meinen Jesus zu lieben?" Stunden verstrichen mir in ihrem Zimmer oft wie Minuten, so himmlisch lieblich waren ihre Unterredungen. Jedermann fühlte, daß sie nicht nur mit Christus gekreuzigt, lebendig gemacht und auferwecket, sondern auch sammt ihm in das himmlische Wesen versetzt war. Ich verließ Calcutta 1858, hörte aber von ihr bis 1861. Ob sie noch immer an ihrer Prüfungsstätte weilt, weiß ich nicht; jedenfalls aber steht ihr Glaube und ihre Liebe mir oft als ein lebendiges Zeugniß gegen meinen Unglauben und meine Kälte da, und oft tönen mir als die beredteste Predigt, die je zu meinem Herzen drang, die zwei süßesten Worte dieser heißgeprüften Tochter Israels nach: „Mein Jesus!" Es ist ein Judenchrist gegenwärtig bemüht seinen Volksgenossen in Amerika zu dienen, der dieses eigenthümliche Zeugniß von dem Zusammenwirken der inneren Mission mit der Arbeit unter Juden und Heiden im „New-Aork Witneß" niedergelegt