Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 11-12 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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170 Theilnahmlosigkeit nach außen bloß ihre Art war, ihre dürstende Seele innerlich an dem Worte des Lebens zu laben. Eine der Wahrheiten, die nie verfehlten, sie mächtig zu bewegen, war die Lehre von der Auferstehung. Sobald es sich um dieses Thema handelte, lebte sie ganz auf; die Aussatzbeulen auf ihrem Gesicht färbten sich dunkelroth, und sie unterbrach mich durch verschiedene, in einem Athem vorgebrachte Fragen. Es war, als hätte sie an meinen Antworten nie genug, denn so oft wir wieder darauf zurückkamen, zeigte sie dieselbe Bewegung und wiederholte dieselben Fragen — nicht solche, die irgend einen Zweifel verriethen, sondern nur den Wunsch, noch mehr zu hören, die Schriftlehre noch völliger zu kennen; dann werde ich von diesen geheilt sein, konnte sie mit einem Blick auf ihre geschwollenen Hände sagen. — Die Wiederkunft unseres Herrn war ein anderer Gegenstand, der ihre ganze Lebenskraft weckte. „Wann wird mein Jesus kommen? Dann, dann!" wiederholte sie fort und fort, und es war nicht schwer, zu errathen, was dabei ihr Herz bewegte. Das waren Glanzpunkte für sie; aber es gab auch eine Stelle, die sie lange in große Noch versetzte, nämlich die herrliche Versicherung, daß die Leiber der Gläubigen Tempel des heiligen Geistes seien. Nie habe ich einen Ausdruck so tiefen Schmerzes gesehn, wie wenn dieser Gegenstand Lydias Nachdenken beschäftigte. Sie zweifelte nicht an der Vergebung ihrer Sünden; sie freute sich der Erkenntniß der Liebe Gottes und des unendlichen Werthes des auch für sie vergossenen Versöhnungsblutes; aber sie konnte nicht fassen, wie der heilige Geist auch den Leib eines Aussätzigen zu einem Tempel nehmen könne. Aber ihr Glaube war von Anfang und fortdauernd bewährter Art. Einmal, nachdem wir zusammen gebetet hatten, fragte ich sie: Lydia, sage mir, wie stand es um deine Seele, als Jesus sich dir zuerst offenbarte? Warst du heilig oder unheilig, rein oder unrein? „Das war Gottes Stunde, seine Macht zu offenbaren. Wie ein Blitz zuckte mir die Wahrheit durch die Seele, die Schlinge war zerrissen und ich war frei." — Von