Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 11-12 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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169 zu sich und gewahrt mit Schrecken, daß sie vom Scheitel bis zu den Fußsohlen mit dem häßlichsten Aussatz bedeckt ist. Unfähig, in dieser schrecklichen Verwandelung ihre vorige Gestalt wieder zu erkennen, hat sie eine Zeit lang Mühe, sich zu überzeugen, daß nicht Alles ein Traum sei. Als sie endlich zum vollen Bewußtsein ihres Leidens erwachte, konnte sie, ihre aussätzigen Hände betrachtend, sprechen: „Ich bin nicht mehr, was ich war, aber Jesus ist derselbe geblieben." Diese Gewißheit brachte ihrem geängstigten Herzen Frieden. Ihr erster Gedanke war die Ehre ihres Herrn und sie beschloß, sich nun eilig davon zu machen, da sie wohl wußte, daß ihre Eltern, wenn sie von ihrer Trübsal hörten, dieselbe dem Mißfallen Gottes zuschreiben würden. So trat sie denn, von Allem entblößt, denn ihr Bündlein hatte sie im Schrecken zu Hause liegen lassen — die fünfzigstündige Reise nach Calcutta an. Was sie unterwegs litt, übersteigt alle Vorstellung. Die Hindus trieben sie mit Ekel aus ihren Häusern, und aufs Betteln verstand sie sich nicht. Der christliche Bruder, dem wir diese Mittheilung verdanken, selbst ein Nachkomme Abrahams, lebte damals in Calcutta. Etwa zwei Monate nach jener Nacht des Entsetzens für Habiba, ging er eines Tages mit einem Stadtmisstonar umher, und fand die Schwergeprüfte in einem alten, zerfallenen Hause. Sie lag auf einem Haufen Staub — auf den ersten Anblick mehr einem Holzblock als einem menschlichen Wesen ähnlich. Sie hatte nicht die Kraft gehabt, sich vor einem Anfall von Ratten zu schützen und schien völlig bewußtlos. Während aber die Beiden in den erbarmungswürdigen Anblick versunken dastanden, lisspelte sie: „Herr Jesu, erbarme dich, gieb mir Speise." Sie ließen sie sogleich an einen paffenden Ort bringen und für sie sorgen; sobald sie wieder etwas gestärkt war, erzählte sie ihnen ihre Geschichte. „Ich las ihr oft aus der Hindostanibibel vor", erzählt unser Berichterstatter: „Jemand, der sie nicht kannte, hätte dabei glauben können, sie höre nicht zu, bis bei irgend einer besonderen Stelle es plötzlich offenbar wurde, daß diese scheinbare