Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 11-12 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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168 wieder auszureißen. Weder Drohungen noch Schmeicheleien vermochten Habiba's Entschluß zu ändern. Eine Woche nach ihrer ersten Erklärung stand ste als heimathloser Auswürfling da. Ihre Mutter hatte ihr gesagt, ste könne mitnehmen, was ihr beliebe, aber das väterliche Haus müsse sie verlassen, um nie mehr dahin zurückzukehren. Sie entsagte Allem um Christi willen und behielt als ihr Eigenthum nur die Kleider, die ste auf dem Leibe trug. Man fand einen Dienst für sie und nach etlichen Wochen wurde sie getauft. Am gleichen Tage begannen die Eltern, ihre Habiba — die nun Lydia hieß — als eine Gestorbene zu betrauern. Sie saßen eine Woche lang auf dem Boden und aßen ihr Brot mit Asche; damit war dem Gedächtniß ihrer Tochter der letzte Tribut bezahlt. Habiba's kindliche Gefühle aber wurden durch die Liebe Christi und das heiße Verlangen nach der Rettung ihrer Eltern nur noch zarter und inniger als zuvor, obgleich ste die letzteren nie mehr sehn sollte, und Alles, was sie von Anderen über ste hörte, nur dazu gemacht war, ste zu betrüben. So verstrichen zwei Jahre. Ihr geistlicher Vater, der Caplan, war im Frieden Jesu entschlafen und das Regiment, in dem sich die christlichen Freunde befanden, die sich ihrer angenommen hatten, auf eine andere Station versetzt worden. Lydia blieb zurück, um in der Nähe ihrer Eltern zu verweilen und beschloß noch einen Versuch zu machen, auch ihnen die frohe Botschaft nahe zu bringen, in der sie selbst Leben und Friede gefunden hatte. Verstohlen schlich sie sich bei Nacht in das ihr verbotene Vaterhaus. Ihr einstiges Kindermädchen, die Ayah, erkannte ste und versteckte ste in der Nähe des Stalls. Dort setzte sie sich auf daö kleine Bündel, das ihre ganze Habe enthielt und erwartete ihre Mutter oder wenigstens eine Botschaft von ihr. Plötzlich tönt etwas wie ein Streit an ihr Ohr. Ihr scheint, ihr Vater beharre darauf, sie lebendig zu begraben, während jemand Anderes ihn davon abzubringen suche. Sie flieht voll Entsetzen. Die Angst beflügelt ihre Schritte, bis sie ermattet umstnkt. Erst beim hellen Tageslicht kommt sie wieder