Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 11-12 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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167 auf's Spiel setzen als die Gegenwart opfern. In tiefer Bekümmerniß um die Seelen seiner Zuhörer schritt der Caplan auf und ab. Sich Habiba nähernd, fragte er dann: „Und was würden Sie wählen, Fräulein? Ein kurzes Leben oder ein langes; dieses oder das zukünftige"? „Meine Wahl ist schon getroffen: Trübsal zu leiden mit Christo, der für mich litt", erwiderte sie. Hätte der Blitz in die Reihen der Gesellschaft eingeschlagen, die Bestürzung hätte nicht größer sein können, als bei diesen Worten. Niemand aber war mehr überwältigt davon, als der Caplan. Habiba war die einzig Ruhige. Als sie nun aufstand und zu ihren Eltern gewendet sortfuhr: „Ich bin jung, und Ihr habt erwartet, mich das Leben genießen zu sehen; was ich aber hienieden erwarte, ist viel schwerer Kummer. Ich schrecke jedoch nicht davon zurück. Ich glaube an Jesus Christus, Israels Heiland. Er hat meine Sünden getragen, und ich will seine Schmach tragen." Mit diesen Worten verließ sie das Zimmer und das Haus. Eine feierliche Stille folgte dieser Erkärung. Die anfängliche Ueberraschung der Eltern und Freunde verwandelte sich jetzt in Betrübniß und Schmerz. Der Caplan zog sich schweigend zurück, in tiefes Sinnen versunken über seinen Kleinglauben und über das mächtige Zeugniß von Christo, das so eben geschehen war. Im Hause wartete seiner schon Habiba, um seinen Rath zu hören und sich von ihn: noch vollständiger in den Wegen Gottes unterweisen zu lassen. Er bat sie, die Kosten ihres Entschlusses wohl zu überschlagen, indem er ihr Beides — Gewinn und Verlust — abermals vorlegte. Aber sie war damit bereits im Reinen. Sie hatte einen Lehrer, der Jesus bester kennt, als irgend ein Mensch oder Engel ihn kennt, den heiligen Geist. Sie kehrte zu ihren Eltern zurück, um ihnen ganz zu sagen, was in ihrer Seele lebe. Alle Juden vereinigten sich nun, sie wenigstens vom öffentlichen Bekenntnisse Christi abzuhalten, aber es gelang ihnen nicht, die tiefgewurzelte Pflanze ihres Glaubens