Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 11-12 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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166 wurde von beiden Theilen höflich aber mit Festigkeit gehandhabt. Ost wurden auch die übrigen jüdischen Familien eingeladen und hörten mit Interesse zu, obgleich sie augenscheinlich in dem Gegenstände der Verhandlungen mehr nur ein Thema sahen, an dem die Streitenden ihren Scharfsinn entfalteten, als eine das Heil ihrer Seelen betreffende Angelegenheit« Monate verstrichen, und noch immer schien Alles auf demselben Punkte zu stehen, wie beim Beginn der Besprechungen. Wie wenig ahnte der Caplan, was schon in der Stille durch ihn gewirkt worden war. Einige der besser denkenden englischen Offiziere hatten ihn zuweilen bei seinen Besuchen in jener Judenfamilie begleitet und unter ihnen reisten die Erstlingsfrüchte seines Zeugnisses. Die Bewegung nahm größere Ausdehnung in dem Regiment« an, und die dabei sich offenbarende Gotteskrast wirkte belebend und stärkend auf den Prediger selbst zurück. Mit neuem Muth und inbrünstigerem Flehn arbeitete er nun sowohl unter seinen Soldaten, als auch unter den Juden weiter. Unter diesen schien in Salomo's Hause Niemand theilnahmloser zu sein als Habiba. Sie fehlte zwar nie bei den Zusammenkünften, erwählte sich aber immer den entferntesten Sitz, wechselte nie ein Wort mit dem Caplan und sah aus, als denke sie an ganz andere Dinge. Ihre scheinbare Gleichgültigkeit jedoch war nur die tiefste innerliche Sammlung und Versenkung in das Wort des Lebens. Eines Abends suchte Salomo's Sohn aus den Israel geschenkten Verheißungen zu beweisen, daß zeitliches Wohlergehn nothwendig ein Beweis von Gottes Wohlgefallen, und Mißgeschick ein Zeichen seiner Ungnade sei, und wies dann triumphirend auf die Erfahrung hin, daß die zum Christenthum übergetretenen Juden gewöhnlich arm, die es Verwerfenden aber reich seien. Vergeblich sprach der Caplan von der verschwindenden Kürze der Zeit verglichen mit der Ewigkeit, und führte andere Schriftstellen an, die von dem vergänglichen Glück der Gottlosen handeln. Salomo war überzeugt von der Richtigkeit der Beweisführung seines Sohnes und fügte sogar hinzu, er seines Theils wolle lieber die Zukunft