Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 9-10 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554789-2554795--05641-2561604- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
156 So wird aber Gott von Isaak und dem jüdischen Volke nicht um seiner selbst willen geliebt, sondern allein um seiner Parteilichkeit willen. , Nur der Gott ist sein Gott, der in solcher Weise handelt. Als daher die Thatsachen dem jüdischen Volke das Fundament für die Ueberzeugung von seiner Herrscherstellung zertrümmern, als die Zerstörung Jerusalems so weit fortschreitet, daß der Tempel Jehovahs, Gottes eigener Herrschersitz in Flammen aufgeht, als der Gott Israels mithin sein eigenes Königthum von einer andern Macht überwinden läßt, ist die Antwort Isaaks der Selbstmord, aber ein Selbstmord mit der furchtbarsten Anklage Gottes auf den sterbenden Lippen. Bekanntlich ist es historische Thatsache, daß manche Juden sich mit Verwünschungen gegen Jehovah in die Trümmer des brennenden Tempels stürzten und so untergingen. Auch ihr Ende war noch ein Ende der ungebrochenen Hoffahrt. Isaak, der mit der Anklage Gottes den Tod sucht, hat die Kraft der Buße verloren, die Fähigkeit der Selbsterkenntniß. Das Herz hat sich so tief in seine stolzen Gedanken verstrickt, daß ihm die Blutgefäße zerrissen werden, wenn diese Gedanken durch die Gewalt der Thatsachen zu Schanden gemacht werden. Gott war das Gebilde der hoffährtigen Phantasie des Menschen; wird dieses Gebilde zerstört, dann soll Gott entweder überhaupt nicht mehr sein, oder die wilde Wuth verklagt ihn als Lügner und Betrüger. Gott wird von dem Menschen gerichtet, damit der Mensch sich nicht selbst zu richten brauche. Gott mag untergehen, der Mensch mit seiner verkehrten Art will es nicht, der Mensch will lieber den Tod erleiden, als daß seine Hoffahrt stürbe. Die Leidenschaft der Hoffahrt hat eine höchste Höhe gesucht. Diese höchste Höhe sollte für Isaak und das Judenthum die sein, daß für die jüdische Glorie jedes menschliche Maaß zu klein wäre, und daß nur Gott selbst hinreichte, an ihm und ihm gegenüber die jüdische Herrlichkeit zu Tage treten zu lassen. Für diesen Preis wollten Isaak und sein Volk auch das Leben einsetzen. Weil Gott aber den Tempel in Jerusalem von heidnischen Händen zerstören läßt, und weil er auf diese Weise