Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 9-10 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554789-2554795--05640-2561603- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
der verbleiben. Wenn die Anderen diese Stellung verrücken, so ist es nur Recht, mit aller Macht sie in dieselbe zurückzuführen. Zur Sittlichkeit gehört daher auch der politische Haß, der politische Kampf, die Empörung und das Erstreiten der Weltherrschaft Israels mit dem Schwerte. Ein solches Ideal zerstört die edelsten und zartesten Gefühle im Herzen; es muß zu Blut und Wunden, zur feindseligsten Zertrennung in der Menschheit führen und die Einigung derselben auf eine innerliche Weise unmöglich machen. Das gibt Isaak auch zu; er weiß es, daß die übrige Welt sich niemals auf friedlichem Wege Israel unterwerfen wird, sondern daß dies nur auf dem Wege der Gewalt geschehen kann. Aber es versteht sich für ihn von selbst, daß die Menschheit hernach daran genug haben werde, den erhabenen Glanz Jsrals anblicken zu dürfen; und es ist für dieselbe nach seiner Meinung genug erreicht, wenn die Majestät Israels fortan einen solchen Eindruck übt, daß darüber der Friede der Welt gesichert bleibt. Ihr Niedrigerstehn, so denkt er, können und werven die Anderen nicht empfinden, sondern mit ihrer geringeren Stellung zuftieden sein, da sie nun einmal von Gott hierfür bestimmt sind; sie haben genug erreicht, wenn sie von dmr Geiste, Glanze und Ruhme, der Weisheit und Herrlichkeit Israels allzumal beschienen werden. Ein solches Verhältniß Gottes zu Israel würde den allertiefsten und bleibenden Riß zwischen Gott und der Menschheit ziehn. Wenn daher geltend gemacht wird, daß es doch dem heiligen Ideale Gottes angemessener wäre, wenn seine Wege und seine geschichtlichen Führungen auf das Ziel hinausliefen, daß Alle, Juden und Nichtjuden, in gleicher und brüderlicher Weise an Gott Theil haben sollten, dann entbrennt hiergegen der jüdische Zorn auf das Heftigste; nein, auch nur mit den Uebrigen gleich zu stehn, jemals vor Gott gleich zu stehn, ist für diesen Hochmuth ein ganz unerträglicher Gedanke. Das letzte Ergebniß muß stets bleiben, daß die Juden eine höhere Stellung als die Uebrigen einnehmen sollen.