Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 9-10 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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154 geni denselben darauf hinzuweisen, wie klein doch der Mensch sei. Bei der Kleinheit des Menschen, das ist der geheime Gedanke, hat der Jude eigentlich so Außerordentliches geleistet, daß er für das Fehlende mit vollem Rechte Vergebung, für das Andere dagegen einen reichen Lohn erwarten darf. In der That, zu dem rechten, wahrhaftigen, sittlichen Ernst, den doch das Mosaische:.,^» sollst heilig sein, denn ich bin heilig", so völlig , geltend macht, läßt dieses jüdische Gottesideal nicht kommen. Isaaks Gottesideal ist nicht das christliche, nicht das der ewigen Liebe, die den Menschen gerade darum zur höchsten Liebe gegen Gott und alle Menschen ohne Unterschied aus allen seinen Kräften verpflichtet; es ist auch nicht das alttestamentliche, welches Gott als den gemeinsamen Schöpfer der ganzen Menschheit bezeichnet, und welches ihn wenigstens in dem Kreise Israels auch schon als Vater erkennen lehrt, während es für die Folgezeit eine allgemeine Ausbreitung der wahren Gotteserkenntniß in Aussicht nimmt. Der Gott jenes Isaak und der jüdischen Auffassung seither ist ein parteiisches Wesen. Er hat nicht das gleiche Herz gegen alle Menschen ohne Unterschied, obwohl sie doch alle Geschöpfe seiner Hand und des gemeinsamen göttlichen Ursprungs sind. Gott befestigt hier vielmehr nachträglich eine tiefe, bleibende Kluft zwischen Israel und allen Anderen, und nur darum, weil er dies thut, hält die jüdische Leidenschaft an ihm fest. Der Gott Isaaks stellt darum aber auch den Menschen für ihr Verhältniß unter einander nicht das höchste Ideal auf. Das christliche Ideal ist in diesem Punkte gleichfalls das der Liebe, und das alttestamentliche setzte eben dasselbe wenigstens in dem Volke Israels sek; wenngleich es bei dieser Schranke nicht verbleiben wollte, sondern einen neuen Bund verhieß, der die ganze Menschheit umfassen sollte. Das Ideal Isaaks ist dagegen in diesem Stücke nicht minder als in dem ersteren das Ideal der Hoffahrt. Die Hoffahrt stellt das jüdische Ich, es sei das Ich eines Einzelnen oder des Volkes, über alle Anderen. Beide sollen in der Stellung des Höheren hier und der Niederen dort zu einan-