Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 9-10 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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153 ist unmöglich, wo von vornherein feststeht, daß man um jeden Preis ein Auserwählter Gottes sei. Also, wie schon vorher angedeutet, ein falsches Ideal von sich selbst, und damit zusammenhängend, ein falsches Ideal von Gott erfüllt Geist und Herz Isaaks und der Juden überhaupt. Ja wohl, die jüdischen Ideale leiden an den tiefsten Schäden. Dieser Punkt ist so wichtig, daß eine weitere Ausführung des schon vorher Gesagten gestattet werden möge. Als Folge alles Früheren ergibt sich: Der jüdische Gott ist kein Wesen wahrhaft heiliger und reiner Art; nur die Quantität fällt an ihm 'auf, nur das unaussprechlich hohe Maß seiner Macht und Gewalt. Dieser Gott reizt daher auch nicht zur sittlichen Selbstprüfung; er kann äußerlich beugen, er kann Schrecken und Bewunderung erwecken, er kann auch den Dank und das Gefühl der eigenen Schwäche Hervorrufen, er kann aber nicht innerlich strafen und innerlich beschämen. Geist und Verstand mögen den Eindruck seiner Größe empfangen; das Herz und Gemüth, das Wahrheitsbewußtsein und Gewissen werden ihm gegenüber nicht der eigenen Befleckung inne. Die Größe Gottes beruhigt vielmehr gar zu leicht über die eigene Fehlerhaftigkeit; man schreibt letztere dem eigenen geringeren Maße zu; oder man denkt nur daran, wie Isaak es thut, seine Leistungen Gotte gegenüber zu steigern. Was soll ich noch mehr thun? Was soll ich noch an neuen Opfern auf mich nehmen? wird etwa die Frage. Man sammelt sich Verdienste durch Heldenthaten, durch Kämpfe, durch Ausdauer und Entbehrungen, und hat allein zu prüfen, ob die Schwere oder die Menge derselben noch vergrößert werden müsse. Mit einem solchen Gott tritt man daher ganz getrost auf den Rechenstandpunkt; man vermag auch hierfür den Muth zu gewinnen, es ist wohl möglich, sich mit demselben in Disputationen einzulaffen; denn er trägt nichts in seiner Art und in seinem Wesen, das hiervon innerlich abschreckte, das einen solchen Standpunkt als einen wahrhaft bösen verurtheilte. Das jüdische Gottesideal hat stets den Juden die Möglichkeit gewährt, die eigenen Gutthaten vor Gott aufzuführen und herzuzählen, und bei allen Vergehun-