Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 9-10 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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152 einmal nicht dulden kann, in sich erstickt. Er gibt wohl zu, daß er auch an seinem Theile noch besser werden könne und solle, aber seine Leistungen sind ihm, an dem Maße Anderer gemessen, so bedeutende, daß eben nur noch dies oder das hinzutreten darf, um Gott zufrieden zu stellen. Herzensverneuerung, innere Umwandelung des ganzen Wesens möge man daher von den übrigen Menschen fordern, den Juden dagegen mit einem solchen Verlangen entgegenzukommen, ist verbrecherische Anmaßung. Isaak und sein Volk sind sich bewußt, genug Buße gethan zu haben, wenn sie anerkennen, ihrem Gott, der sie so hoch erhoben, zu Zeiten untreu gewesen zu sein; aber Treue sind sie ihm eben auch nur darum schuldig, weil Jehovah und Israel das besondere Verhältniß zu einander haben. Isaak schließt nicht so, daß sein Volk eine doppelte^Verpflichtung gegen Jehovah habe, weil derselbe es 'in seinen besonderen Dienst gestellt hat, während es ihm auch oh»e dieses besondere Verhältniß als dem einigen Herrn aller Menschen Gehorsam leisten müßte; sondern auf der besonderen Ehre, die Israel nach jüdischer Meinung als Erbgut aus Jehovahs Händen empfangen hat, beruhen ihm alle Rechtöforderungen Gottes an dasselbe. Wenn Gott daher seinem Volke in den Zeiten der Krisis und des Kampfes den Sieg nicht gewährt, so hört auch Israels Verpflichtung gegen denselben auf. Ein Contrakt besteht gewissermaßen zwischen beiden; löst einer der Betheiligten denselben, so ist der Andere frei. Die jüdische Hoffahrt stellt in der That im letzten Grunde das Volk Israel auf gleiche Stufe mit Gott. Alle Anfänge der Sündenerkenntniß, alle Regungen der Selbsterkenntniß führen bei Isaak und bei seinem Volke nun doch zu keinem Ergebniß, weil sie den einen Hauptsatz stehn lassen müssen: „und doch sind wir Juden etwas viel Besseres und Größeres als die übrige Menschheit." Daher kommen sie niemals bis zu der Frage: besteht denn auch wirklich die Gemeinschaft zwischen uns und Gott immer noch, oder ist dieselbe vielleicht zerrissen? Eine aufrichtige und gründliche Selbstprüfung