Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 9-10 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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151 bleibt ihnen doch stets das Eine, daß Gott selbst ihre Erhabenheit über die Anderen aufrecht erhält; allein zur Läuterung und Vervollkommnung Israels sendet Jehovah Leiden über dasselbe; denn zu diesem Zwecke können dieselben immerhin nöthig werden, dagegen ist und bleibt es ununterbrochen die Gemeinde Gottes. Wer also zu Israel davon redet, daß zwischen ihm und Jehovah dieselbe Scheidewand bestehe, die Jehovah und die anderen Völker trennt, und daß diese vor allem Anderen abgethan werden müsse; wer die Juden als solche Sünder an Gott behandelt, wie es die Anderen sind; wer sie auf eine Stufe mit der übrigen sündlichen Menschheit stellt, der hat sie in ihrem eigentlichen Wesen so beschädigt, daß er ihr schlimmster Feind ist — und das hat Jesus Christus gethan. Diese Anschauungen entwickelt Isaak in Helena. Dieselben beweisen, daß es ihm an jeder Selbsterkenntniß fehlt. Der Pharisäismus d. h. das Bessersein als Andere, das Mehrgeltenwollen und Erhabensein über die Anderen vor dem Urtheil und vor dem Angesichte Gottes, das ist die erste und festeste Ueberzeugung, das ist der Cardinalglaubenssatz eines Isaak und des Judenthums überhaupt, welches sich gegen Jesum Christum erklärt hat. Mit dem eigenen Ich fängt hier die Religion an, und nicht mit dem heiligen Gott, dessen Lauterkeit den sündlichen Menschen mit Schmerz und Scham und Schrecken über die eigene Unreinigkeit erfüllt. Der Jude sieht sich, wenn er religiös denkt, zuerst im Vergleich mit den übrigen Menschen an und findet da Vieles, was ihm einen Vorzug vor den Anderen zu bereiten scheint. Davon geht er nun aus und bestimmt hiernach seine Stellung, sein Verhältniß zu Gott. Das, was er an den Anderen Schlimmes oder wenigstens nach seiner Meinung Unzureichendes wahrnimmt, läßt ihm sein eigenes Licht so hell erscheinen, daß er ganz kühnlich in die Nähe des reinen Gottes tritt. Die Gedanken an die Vortrefstichkeit, die er vor Anderen zu besitzen glaubt, erfüllen ihn so sehr, daß er darüber das Gefühl für die eigene Herzensunreinheit, die Gott doch nun