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Dibre Emeth · 1871-01-01 · 9-10 (1871) · page 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
27 (1871)
Issue
9-10 (1871)
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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150 ihrer Meinung Israel das Volk Gottes sein, damit es am Frühesten und Längsten und Weitesten von allen Nationen im Dienste der Ehre Gottes stehe, sondern darum will es daS Volk Gottes sein, damit es selbst die höchste Ehre vor allen Anderen voraus habe — oder, um diese Gesinnung mit ihrem eigentlichen Namen zu nennen, Isaak und sein Volk wollen nicht der demüthigen Liebe leben, sondern der allergesteigertsten Hoffahrt, und ihr Gewinn soll nicht der sein, die Anderen selig machen zu dürfen, sondern der, die Uebrigen allzumal dafür gebrauchen zu können, daß sie die jüdische Glorie zur allerhöchsten Herrlichkeit erheben. Vor Isaak und der großen jüdischen Masse besteht darum Christi Hauptverbrechen darin, daß er, dieser Nazarener, der Mittelpunkt in der Welt sein wollte, und Israel die' erste Stelle an ihn abtreten sollte. Gilt Beiden doch nur ein Gott, welcher das Volk Israel an die Spitze alles Geschaffenen stellt, und nur ein Israel, das diese Stellung einnimmt. Ein anderer Gott und ein anderes Israel haben für Isaak und die Seinen keinen Werth. So sehr beherrscht hier die Hoffahrt die ganze Gesinnung. Isaak spricht von seiner und von des Volkes Sünde, er kennt manche einzelne Uebertretungen, ja sogar große Verbrechen desselben, aber das Alles hat für ihn auch nicht von ferne die Bedeutung, daß Israel damit seiner Größe verlustig werden könnte. Jehovah und das jüdische Volk haben nach dieser Vorstellung den Zweck ihres Daseins völlig verloren, wenn beide nicht an einander ihren besonderen, eigenthümlichen und ausschließlichen Vorzug besitzen. Im Himmel ist Jehovah der Herr, auf Erden soll Israel ihm die Herrschaft erobern, indem es die Anderen sich selbst unterwirft. Gott und Israel finden gewissermaßen an einander ihre Ergänzung. Für Israel und die anderen Nationen bestehn mithin von vornherein ganz andere Verhältnisse und Bedingungen. Mit Israel ist Gott eins, die übrige Welt ist von ihm getrennt. Israels Dasein bedeutet seine Einigkeit mit Gott. Wird den Juden zeitweise auch alles Andere entzogen oder genommen, so

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