Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 9-10 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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144 führt. Denn eben auf die Weise will Jehova seine Herrschaft über Himmel und Erde beweisen, und damit sich als den Herrn aller Herrn kund thun, daß es ihm gelingt, das eine Volk Israel zum Gebieter über alle anderen zu machen. DaS Verhältniß Gottes zur Menschheit ist darnach also ein Verhältniß der Herrschaft und nicht ein eigentlich väterliches Verhältniß. Aber sogar diese Herrschaft Gottes über die Menschheit ist eine vermittelte; selbst als ihren Herrn erfährt sie Gott erst durch Israel. Nur durch Israel besteht eine Gemeinschaft zwischen Gott und der Menschheit; wie die Erde ohne die Sonne kein Tageslicht empfängt, so hat die Menschheit keinen Theil an Gott außer durch Israel. An Israels Mittlerschaft bleibt jedes Verhältniß zwischen Gott und den Menschen gebunden; und erst dann, wenn diesem einen Volke überall gehuldigt wird, ist das Reich Gottes aufgerichtet. In Gottes eigenem Interesse liegt es daher auch, Israel zur Herrschaft zu führen; Israels nationaler Sieg bedeutet Gottes Sieg auf Erden, Israels nationale Niederlage auch die Niederlage Gottes. Gott kann unmöglich auf eine andere Art seinen Thron aufrichten und kann es anders nicht auf Erden Licht werden sehen, als damit, daß Israel jene bestimmte nationale Stellung in der Menschheit gewinnt. So giebt es denn nach diesem Gedankenkreise eine höhere und eine geringere Klasse von Menschen, und der ganze Zweck der Menschheit kann nur dann erreicht werden, wenn der Unterschied zwischen diesen beiden Klassen auch streng festgehalten wird. Die Menschheit findet an den Juden immer ihre Grenze; ihr Ziel ist dies, aus freien Stücken womöglich oder nach einer langen Reihe von geschichtlichen Ergebnissen bis dahin zu kommen, daß sie Israels Herrlichkeit anerkenne und alsdann durch Vermittelung desselben auch an Gott Antheil habe. Die Gleichheit innerhalb der Menschheit ist grundsätzlich aufgehoben; die Anderen mögen unter sich gleich sein, Israel gegenüber bleiben sie die geringeren. Eine Liebe Gottes, welche eben darauf abzielte, alle in dasselbe Verhältniß zu sich selbst zu setzen, existirt nach dieser jüdischen Vorstellung nicht. Die ganze Geschichte kann daher auch nur