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Dibre Emeth · 1871-01-01 · 9-10 (1871) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
27 (1871)
Issue
9-10 (1871)
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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143 die gegenüber, daß nach der christlichen Erkenntniß Gott die Liebe sei. Der jüdische Gottesbegriff dagegen hält als Höchstes in Gott die Größe fest. Darum nennt ihn die jüdische Vorstellung auch in diesem Buche besonders mit Namen, welche eben seine Größe bezeichnen: den Ewigen, den Allmächtigen u. s. w. Gottes Güte, Barmherzigkeit und die anderen, sogenannten sittlichen Eigenschaften werden nicht geleugnet, aber sie folgern gewissermaßen erst aus seiner Erhabenheit. Gott ist hier die höchste und majestätischste aller Gewalten, unergründlich an Macht und Weisheit, unerschöpflich an Mitteln, Unerforschlich in seinen Plänen, ganz zuverlässig in seinen Worten, ein Fels, der niemals wankt, ein König, den kein Wüthen der Menschen, ihrer Könige und Völker, ihrer Reiche und Heere, den auch kein Dräuen und Stürmen in der Natur im Geringsten behindert. Er hat vielmehr die Zügel stets in den Händen; was geschieht, geschieht nach seinem Walten und Regieren; die Kurzsichtigkeit der Menschen erkennt dies nicht, aber nur um so größer will sich darüber seine Erhabenheit offenbaren. Doch ist es nach dieser Vorstellung freilich die Eigenthümlichkeit Gottes, daß er im eigentlichsten Sinne erst durch Israel seine Größe zur Offenbarung kommen läßt. Die Tugend der Väter Israels hat die entsprechende Belohnung für sie selbst und für ihre Nachkommen herbeigeführt. Das Verdienst der Vorfahren Israeli hat es bewirkt, daß die Majestät Gottes sich unter diesem Volke die Stätte ihrer Erscheinung erliest. Wie das Licht durch die Sonne auf Erden sichtbar wird, so wird Gottes Hoheit und Gewalt und Macht über die Menschen und in den Geschicken der Völker von dem Brenn- und Lichtpunkte Israel aus erfahren. Israel ist dazu ein Volk geworden, daß eö fort und fort in der großen Völkerzahl dem Zwecke diene, gerade durch sein nationales Leben vie Größe Gottes zu offenbaren. Gott will sich dadurch als den Herrn der Erde und der Menschheit kund thun, daß er dieses eine Volk inmitten der unzählbaren Menge aller anderen zum herrschenden Volke erhebt, und es durch Vorbereitungszeiten oder durch Zeiten des Druckes eben diesem Ziele entgegen-

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