Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 9-10 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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um dem Hungertode zu entfliehen, hörte, erwachte in ihm zum ersten Mal der Gedanke, Gott habe auf immer sein Antlitz von Israel abgewandt. „O Gott Abrahams!" klagte er bitter, „wenn du dieses zulässest, was soll noch geschehn?" Sein Glaube wankte. Er schaute nach dem Tempel, dessen goldene Mauern in der Sonne so hell wie sonst glänzten. „Wohnstätte des Allerhöchsten!" murmelte er vor sich hin, „Heiligthum Israels! Seit dies geschehn, giebt es keine Hoffnung mehr für dich. O Herrlichkeit Israels! Ich will dich nicht überleben, will mich unter deinen Trümmern begraben." Isaak kämpfte fort, aber ohne Hoffnung. Es war ein Kampf der Verzweiflung, in dem derjenige, der weiß, daß Alles verloren ist und daß er selbst sterben muß, sein Leben so theuer wie möglich zu verkaufen sucht. Die Römer erobern die Burg Antonia; die Juden ziehen sich in den Tempel zurück. Roch einmal bietet Titus Gnade an, sie wird zurückgewiesen. An demselben Tage wird das tägliche Opfer eingestellt, es ist kein Opferthier mehr vorhanden. Jetzt gerade, glaubten Viele, müsse der Erlöser erscheinen. Isaak hörte davon, er lächelte bitter. „Ja, der Erlöser ist nahe, aber unser einziger Erlöser ist der Tod," sagte er. Das Feuer bahnt endlich den Römern den Weg auch an den Tempel heran; die Außenwerke desselben werden auf diese Weise den Belagerern erschlossen. So bricht der Zehnte des Monats Ab an, des Tages, an welchem einst der König Babels den Tempel hatte verbrennen lasse». Am Morgen desselben bemerkte der aufgeregte Sinn der Juden ein Zeichen, welches sie gewiß machte, daß Alles verloren war. Früh vor Sonnenaufgang, im Zwielicht der Morgendämmerung, vernahmen sie plötzlich ein Geräusch, wie von einer einherziehenden ungeheuren Menge, untermischt mit zahllosen Stimmen, die leise, feierlich und traurig die Worte sprachen: „ Laßt uns wegziehen von diesem Ort! "