Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 9-10 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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134 in anderem Sinne gehört, hier wurde ihm nun dagegen ein Erlöser geschildert, der sich an die Spitze des jüdischen Heeres stellen und so den Prüfungen des Glaubens ein Ende machen werde. Cineas aber schenkte gerade auf dieses Wort hin dem Isaak die Freiheit; der Jude betete darauf vor Allem zu seinem Gott, dam dankte er seinem Wohlthäter und im Augenblick war er verschwunden. Und nun bereitet sich die letzte Katastrophe vor. Die Erzählung führt uns in dem vorletzten Kapitel nach Jerusalem. Die bekannten Thatsachen, welche der Einschließung der Stadt vorausgingen, die inneren Verhältnisse derselben und die immer schwieriger sich gestaltende Lage der Belagerten werden klar und gut zusammengefaßt dargestellt. Als Isaak in Jerusalem eintrifft, findet er die Stadt vom Parteihader auf's Tiefste zerrissen. Er sah Männer, die er verabscheute, die höchsten Stellen einnehmen und die Stadt an innerem Streite verbluten. Simon und Johannes hatten ihren großen Anhang, beide bekämpften sich gegenseitig und beraubten die Neutralen. Gesetzlosigkeit und Verwirrung herrschten ganz allgemein. Isaaks Herz erfüllte das mit Bitterkeit; seine begeisterten Worte hatten zu Zeiten auch eine Wirkung, aber die Parteiwuth zerstörte immer wieder alles Gewonnene. Alle seine Bemühungen, Einigkeit und Frieden und den Glauben an die nahe Ankunft des Messias zu erwecken, blieben vergeblich. Da wurde es ihm selbst schwer, den alten Glauben, den nichts hatte erschüttern können, zu bewahren. Das Antlitz des Gottes Israels war wie abgewandt, und es schien thöricht noch anzunehmen, daß Er sein Volk dennoch erretten würde. Noch weniger konnte Isaak glauben, daß nach allen Verheißungen das auöerwählte Volk vertilgt werden könnte. Er sagte sich nun zwar, daß Gottes Züchtigung reinigte; hier aber sah er doch keine Reinigung, sondern einen Wahnsinn, der den Untergang voraussehen ließ. Alles, was er erblickte, vermehrte seine Verzweiflung. Am Tage, wo er die Stadt betrat, sah er auf den Wällen eine dürre, abgemagerte Gestalt, sonst an die alten jüdischen Propheten erinnernd, aber grimmig und wild, mit einem feurigen Auge, das unsicher mit dem Ausdruck des Wahnsinns umherstierte. Dieser Mann ward nie