Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1871-01-01 · 9-10 (1871) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
27 (1871)
Issue
9-10 (1871)
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554789-2554795--05620-2561583
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

135 müde stets dieselben Worte zu wiederholen. Als Isaak sie zum ersten Male hörte, machten sie einen entsetzlichen Eindruck auf ihn und erfüllten seine Seele mit Ahnungen, bei denen er nicht verweilen wollte, die aber alle seine Gebeine beben machten. Man sah den wilden Propheten meist auf den Wällen umhergehen. Da brüllte er mit heiserer und entsetzlicher Stimme eintönig und immer in gleicher Weise die Worte: „Eine Stimme von Osten! Eine Stimme von Westen! Eine Stimme aus den vier Winden! Eine Stimme gegen Jerusalem und das heilige Haus! Eine Stimme gegen den Bräutigam und die Braut! Eine Stimme gegen das ganze Volk! Wehe Jerusalem! Wehe, wehe Jerusalem!" Schon sieben Jahre hatte dieser Mann Judäa mit diesem Rufe erfüllt. Er war mit Ruthen gepeitscht, auf die Folter gelegt, auf alle mögliche Weise bestraft worden. Umsonst, nichts war aus ihm herauszubringen, als der Ruf: „Wehe Jerusalem!" und Tag und Nacht ertönte derselbe Ruf: „Wehe Jerusalem!" Isaak erschütterten diese Worte furchtbar; ihm klangen sie wie die Stimme eines von Gott Gesandten. Die Erscheinung eines Cometen, der sich in der Gestalt eines Schwertes gegen die Stadt hinzurichten schien, verbreitete allgemeinen Schrecken, und die Bangigkeit der Anderen ergriff auch Isaaks Herz. Isaak aber bekämpfte dieses Gefühl, und in der leidenschaftlichen Liebe für sein Volk und im festen Glauben an Gott deutete er der großen Menge dieses Zeichen als eine Ankündigung der nahe bevorstehenden Ankunft des Erlösers; er belebte dadurch wieder ihren verzagenden Muth. Aber die Stimmungen wechselten. Allerlei Visionen, tausende von Fabeln, schreckende Wundergerüchte erfüllten die Gemüther immer mehr mit einer grenzenlosen Aufregung. Jndeß begann die Belagerung. Isaak drängte zu kühnen Thaten. Unter seiner Anführung - wurde ein Ausfall mit wahrer TodeSverzweiflung unternommen. Der Sieg schien sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.