Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 9-10 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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132 „Nicht lange!" rief Isaak tief bewegt. Sein Auge leuchtete, Thränen drangen aus demselben hervor. Er faßte die Hand des CineaS, murmelte einige kaum vernehmliche Worte und wandte sich ab. Labeos Wunden ließen fast an seinem Aufkommen zweifeln. Deshalb schaffte ihn Eineas aus dem Lager und in ein kleines Dorf bei Ptolemais; Isaak nahm er als Arzt für den Kranken mit. Die unermüdliche Sorgfalt desselben und die stärkende Seeluft übten ihren günstigen Einfluß auf Labeo; die Genesung desselben schritt ganz offenbar vor. Isaak aber schien ganz der Alte, ruhig und sich selbst beherrschend. Eineas hätte oft zweifeln mögen, ob dieser Mann wirklich der kühne Führer in jenem nächtlichen Ueberfall gewesen sei. Doch hatte er genugsam das innere Feuer und die Leidenschaft erkannt, die unter dem ruhigen Aeußeren schlummerten, so daß er begriff, wie dieser Mann zwei ganz verschiedene Charaktere in sich vereinigen konnte. Als die völlige Erholung Labeos nicht mehr zweifelhaft war, saß Eineas eines Abends mit Isaak vor der Thür und schaute auf die See hinunter, über welche sich des Carmels kolossale Masse erhob. Isaak war in Gedanken versunken und sprach wenig. „Zsaak", redete Eineas ihn plötzlich an, „willst du frei werden?" Isaak fuhr auf. „Frei?" rief er und sagte weiter nichts. „Es kann geschehen." „Wirklich? Frei? O Eineas, ich würde gern das Leben, das mir noch bestimmt ist, hingeben, wenn ich nur einen Monat — nur noch einen Monat frei sein könnte." „Einen Monat! Du kannst für immer frei werden. Du hast Labeos Leben gerettet; er ist in deiner Schuld und ich bin es auch. Um seinetwillen verdienst du die Freiheit." Isaak schaute Eineas starr an, die Hände gefaltet; seine Brust wogte vor innerer Bewegung. „Aber was willst du thun, wenn du frei wirst? Willst du bei uns bleiben?" „O Eineas", sagte Isaak, „ich will hier so lange bleiben, als