Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 9-10 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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131 aber die Seinen vermochten sich nicht mehr zu sammeln, und bald sah er sich von Römern rings umgeben. „CineaS!" rief eine schwache Stimme mitten aus der verwirrten Menge. Cineaö hörte es und erkannte Labeo. Derselbe lag auf dem Boden, von den kämpfenden Soldaten, die wichen und vorwärts drangen, getreten. Im Augenblick schlang Cineas seine Arme um den Freund und entriß ihn der Gefahr. „Ach Labeo! finde ich dich so wieder?" rief er traurig. „Verlaß mich", sagte Labeo schwach. „Treibe diese verfluchten Juden zurück; aber thue Isaak kein Leid." „Isaak"! rief Cineas verwundert. „Er ist ihr Anführer. Er rettete mein Leben. Rette ihn. Verlaß mich, eile, sonst wird es zu spät sein." Es war die höchste Zeit. Cineas eilte zur Stelle und befahl seinen Soldaten, den jüdischen Anführer lebendig zu fangen. Isaak wollte sich trotz der Erschöpfung, welche der Kampf und seine Wunden ihm verursachten, nicht ergeben; denn er war entschlossen lieber zu sterben; aber das Schwert wurde ihm aus der Hand geschlagen, er selbst zu Boden geworfen und festgehalten. Er war nun ein Gefangener der Römer. Labeo wurde in sein Zelt getragen und die Rüstung ihm abgenommen. Cineas, der Isaaks Kunst kannte, brachte diesen herbei, die Wunden zu untersuchen. Isaak erschien heiter und würdevoll wie sonst, ohne eine Spur von Niedergeschlagenheit. Labeos Wunden waren ziemlich bedenkliche. Isaak erkannte seinen Zustand als einen gefahrvollen, obwohl er bei anhaltender Pflege und vollkommener Ruhe Genesung in Aussicht stellte. In Labeos Zelt fand Isaak alle Heilmittel, die in jener Zeit für Wunden und in Krankheiten gebraucht wurden, und nachdem er die Wunden verbunden hatte, zog er sich in das anstoßende Zelt zurück, wohin ihn Cineas gewiesen hatte. „Du bist auch verwundet", sagte dieser zu Isaak: „Du mußt auch für dich selbst sorgen. Du bist ganz sicher, denn du stehst unter Labeos und meinem Schutz. Verzweifle nicht. Nicht lange wird es dauern und du wirst frei sein." — 9*