Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 7-8 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554789-2554794--05608-2561570- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
124 Sollte er auch mich und mein Geschlecht vernichten, so soll dennoch mein Vertrauen auf ihn nicht wanken. Er wird sein Volk segnen. Ich will seinen Namen loben und preisen, so lange ich lebe." „Wir haben Jahre lang auf Ihn gewartet, aber jetzt muß er bald kommen. Alles, was jetzt geschieht, weist darauf hin. Fast bricht uns das Herz, zu warten und immer wieder zu warten und immer fragen zu müssen: Wird er auch kommen?" Und mit gefalteten Händen und die Augen voll Thränen, rief er: „Ach daß du den Himmel zerrissest u. s. w. Jesaias 64, 1—4, und das Gebet um Abwendung des Gerichtes der Sünde. Jesaias 64, 7 — 10. Cineas wunderte sich dieser Worte. Die Tiefe der Erniedrigung, das schmerzliche Bekenntniß der Sünde, die Trauer über eines Volkes Weh, die sie ausdrückten, waren mit einem erhabenen Vertrauen auf die Gottheit verschmolzen; gleichwohl erkannte er auch in Isaaks Worten das Verlangen nach einem mächtigen Siege, einem Könige, der die Welt Jerusalem unterwerfen sollte. Er wunderte sich, daß solche Gedanken noch in einem Volke hasteten, das die unwiderstehliche Macht Roms vor Augen hatte. Isaak aber sah jetzt auf. Er war ruhig. Ein melancholisches Lächeln zeigte sich in seinem Gesicht. Er entschuldigte seine Aufregung und die verlorene Selbstbeherrschung, und rief selbst dem Cineas den Grund ihres augenblicklichen Beisammenseins, die Führung der Rechnungen Hegioö, in'S Gedächtniß; klar und scharf enthüllte er Alles vor dem Athener, als hätte die ganze tiefe innere Erregung, deren Zeuge so eben der letztere gewesen war, nicht statlgefunden. — Und die Folge ist die endliche Beseitigung des schurkischen Verwalters. Cineas hat in der Folgezeit das Neue Testament kennen gelernt. Jesus Christus ist ihm seitdem der Größte unter den Menschen, durch seine Liebe und sein Leiden auch größer als der ironische Sokrates. Aber er ist nur von seiner Erscheinung gerührt, einen *