Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 7-8 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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123 Versuchung gewesen, es so aufzufassen; aber diese Zeit ist vorüber. Ich halte fest an Gottes Wort und an seinen Verheißungen. Der uns erwählt hat und uns so lange Leiden beschieden, hatte nie die Absicht, Spott mit »ns zu treiben, indem er uns etwa einen Schatten verhielt. Der uns befohlen hat zu hoffen, hat uns nie so täuschen und uns das Herz brechen wollen. Nie hat er das gewollt!" „Das ist," fuhr er nach einer Pause fort und mit einer Bitterkeit, die Cineas nie vorher an ihm bemerkt hatte, „das ist der Grund, warum ich die Christen Haffe. Sie spotten unser und stellen solches Phantom in seiner ganzen abscheulichen Nacktheit vor unsere Augen hin." „Es kam ein Mann und gab vor, er habe eine neue Lehre. Er fand Anhänger. Jeder findet sie, mag er lehren, was er will. Diese seine Anhänger behaupteten, er wäre der Messias; er sagte es auch. Er gab sich für einen Abkömmling unseres Königshauses aus und für den König der Juden. Er wurde deshalb vor Gericht gestellt, verurtheilt und hingerichtet." „Und was nun folgte? Haben sich etwa seine Anhänger zerstreut? Nein. Sie wagten es einen neuen Betrug aufzubringen. Sie wagten zu behaupten, daß er von den Todten auferstanden sei, und fuhren fort mit hundertfältig größerem Eifer zu verkündigen, dieser Missethäter wäre der Messias." „Das Peinlichste von der Sache ist für einen Juden der gräßliche Schein der Richtigkeit, die ihre Beweisgründe an sich tragen. Sie beziehen alle unsere Weissagungen auf diesen Mann, alle, alle, alle! Sie ünd die Leute, welche alle die Weissagungen geistig deuten und vorgeben, der Messias wäre als Lehrer erschienen, die Seelen der Menschen zu gewinnen. Sie verkündigen die Lehre ihres gekreuzigten Meisters allen Völkern und lehren, daß die Juden keine größeren Vorrechte haben, als alle anderen Menschen." „Ach wenn die Hoffnung unseres endlichen Triumphs so von Ihm vernichtet werden sollte, der uns mit ihr erfüllt hat! Nie soll der Versucher mir meinen Glauben an ihn rauben! O